Die 'angeblich' größte, deutsch Sammlung von Zitaten
...man hat sich Mühe gegeben, den Inhalt der Seite zu schützen - Aber offenbar nicht genug! ;-)
Johann Wolfgang von Goethe
dt. Dichter
1749 - 1832
1. Was gelten soll, muß wirken und muß dienen!
3. Weil du die Augen offen hast, glaubst du, du siehst.
4. Fürchterlich ist einer, der nichts zu verlieren hat.
5. Der Neidische erbarmt sich nicht der Blöße.
Blöße (Blöße)
9. Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst.
Leben (Leben)
16. Ich habe Zeit meines Lebens Gelegenheit genug gehabt, mich zu verwundern, daß vollkommen gebildete Personen ästhetische oder höhere sittliche Zwecke, durchaus nicht anzuerkennen wissen.
Zeit (Zeit, Gelegenheit, Personen, Zwecke)
17. Geschehn ist leider nun geschehn,
und wie es gehn kann, so wird's gehn.
Geschehn (Geschehn)
19. Gerne der Zeiten gedenk' ich, da alle Glieder gelenkig - bis auf eins.
Doch die Zeiten sind vorueber, steif geworden alle Glieder - bis auf eins.
Zeiten (Zeiten)
21. Schwache passen an keinen Platz in der Welt, sie müßten denn Spitzbuben sein.
Welt (Welt, Spitzbuben)
24. Wie verfährt die Natur, um Hohes und Niederes im Menschen zu verbinden? Sie stellt Eitelkeit zwischenhinein.
Eitelkeit (Eitelkeit)
25. Leider ruht auf dem, was Advokatenhände berühren, so leicht ein Fluch.
26. Greifet nur hinein ins volle Menschenleben! Ein jeder lebt's nicht vielen ist's bekannt, und wo ihr's packt, da ist's interessant.
Menschenleben (Menschenleben)
27. Gut, wenn ich wählen soll, so will ich Rheinwein haben.
Das Vaterland verleiht die allerbesten Gaben.
Eiswein (Rheinwein, Vaterland)
29. Die christliche Religion ist ein mächtiges Wesen für sich, woran die gesunkene und leidende Menschheit von Zeit zu Zeit sich immer wieder emporgearbeitet hat. Und indem man ihr diese Wirkung zugesteht, ist sie über aller Philosophie erhaben und bedarf von ihr keiner Stütze.
Religion (Religion, Wesen, Menschheit, Zeit, Wirkung, Philosophie)
30. Aufmunterung nach dem Tadel ist Sonne nach dem Regen, fruchtbares Gedeihen.
Tadel (Tadel, Sonne, Regen)
32. Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen, denn mein Geheimnis ist mir Pflicht.
Heiß (Heiß)
33. Im ästhetischen Fach sieht es freilich bei uns am schwächsten aus, und wir können lange warten, bis wir auf einen Mann wie Carlyle stoßen.
Fach (Fach, Mann)
34. Wer den Teufel erschrecken will, der muß laut schreien.
35. Himmelhoch jauzend, zum Tode betrübt -
Glücklich allein ist die Seele, die liebt.
Tode (Tode, Seele)
36. Denn wir können die Kinder nach unserm Sinne nicht formen.
Kinder (Kinder)
37. Frei will ich sein im Denken und im Dichten; im Handeln schränkt die Welt genug uns ein.
Frei (Frei, Denken, Handeln, Welt)
38. Aller Dinge Gehalt, er wird durch dich nur entschieden.
Leise Gottheit, auch mich richtest du, richte gelind!
Gehalt (Gehalt, Leise, Gottheit)
40. Der Alte schlummert wie das Kind, und wie wir eben Menschen sind, wir schlafen sämtlich auf Vulkanen.
Alte (Alte, Kind, Vulkanen)
41. Ich habe mich so lange ums Allgemeine bemüht, bis ich einsehen lernte, was vorzügliche Menschen im Besonderen leisten.
42. Von Verdiensten, die wir zu schätzen wissen, haben wir den Keim in uns.
Keim (Keim)
44. Die guten Leute wissen gar nicht, was es für Zeit und Mühe kostet, das Leben zu lernen und von dem Gelesenen Nutzen zu haben; ich habe achtzig Jahre dazu gebraucht.
Achtzig (Leute, Zeit, Mühe, Leben, Nutzen, Jahre)
45. Wer gegen sich selbst und andere wahr bleibt, besitzt die schönste Eigenschaft der größten Talente.
Talente (Talente)
46. Die Kirche hat einen guten Magen, hat ganze Länder aufgefressen und doch noch nie sich überessen.
Magen (Magen, Länder)
49. Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen; ein Werdender wird immer dankbar sein.
50. Ovid liebt klassisch auch im Exil: Er sucht sein Unglück nicht in sich, sondern in seiner Entfernung von der Hauptstadt der Welt.
Exil (Exil, Entfernung, Hauptstadt, Welt)
52. Und wenn die Tat bisweilen ganz etwas anders bringt, so laßt und das ereilen, was unverhofft gelingt.
54. Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube; Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Glaubens (Glaubens, Kind)
55. So ist es der Erfahrung gemäß, daß das Gelbe einen durchaus warmen und behaglichen Eindruck mache. Das Auge wird erfreut, das Herz ausgedehnt, das Gemüt erheitert, eine unmittelbare Wärme scheint uns anzuwehen.
Gelb (Erfahrung, Herz, Gemüt)
56. Versuche deine Pflicht zu tun und du weißt gleich, was an dir ist.
Versuche (Versuche)
57. Ängstlich ist es, immer zu suchen, aber viel ängstlicher, gefunden zu haben und verlassen zu müssen.
58. Keine Kunst ist's alt zu werden;
Es ist Kunst, es zu ertragen.
Keine (Keine)
59. Waget laut und klar zu nennen sein Bemühen, seine Tugend;
denn ein herzlich Anerkennen ist des Alters zweite Jugend!
Lob (Tugend, Alters, Jugend)
60. Wie selten ist der Mensch mit dem Zustande zufrieden, in dem er sich befindet! Er wünscht sich immer den seines Nächsten, aus welchem sich dieser ebenfalls heraussehnt.
Mensch (Mensch, Nächsten)
61. Was soll man sich viel verstellen gegen die, mit denen man das Leben zuzubringen hat!
Leben (Leben)
62. Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.
63. Wenn man einmal weiß, worauf es ankommt, hört man auf gesprächig zu sein.
64. Wer die menschliche Schönheit erblickt, den kann nichts Übles anwehen: Er fühlt sich mit sich selbst und der Welt in Übereinstimmung.
Schönheit (Schönheit, Welt)
65. Wer ist denn heutzutage noch ein Christ, wie Christus ihn haben wollte?
Christ (Christ)
66. Das Größte will man nicht erreichen, man beneidet nur seinesgleichen; der schlimmste Neidhart ist in der Welt, der jeden für seinesgleichen hält.
Welt (Welt)
67. Wie das Gestirn, ohne Hast, aber ohne Rast, drehe sich jeder um die eigne Last.
Gestirn (Gestirn, Last)
68. Man sagt: eitles Eigenlob stinkt. Das mag sein; was aber fremder und ungerechter Tadel für einen Geruch haben, dafür hat das Publikum keine Nase.
Eigenlob (Eigenlob, Tadel, Geruch, Publikum, Nase)
69. Für die Kinder ist das Beste gerade gut genug.
Kinder (Kinder)
70. Fürchterlich ist der bedrängten Unschuld letzter Blick.
Blick (Blick)
71. Wundertätig ist die Liebe, die sich im Gebet enthüllt.
Liebe (Liebe, Gebet)
73. Gebraucht die Zeit, sie geht so schnell von hinnen.
Zeit (Zeit)
75. Das Muß ist hart, aber beim Muß kann der Mensch allein zeigen, wie's inwendig mit ihm steht. Willkürlich leben kann jeder.
Mensch (Mensch)
76. Das, was mir wichtig scheint, hältst du für Kleinigkeiten. Das, was mich ärgert, hat bei dir nichts zu bedeuten.
Kleinigkeiten (Kleinigkeiten)
77. Ein Kranz ist gar viel leichter binden, als ihm ein würdig Haupt zu finden.
Haupt (Haupt)
78. Ein Deutscher braucht nicht alt zu werden, und er findet sich von Schülern verlassen; es wachsen ihm keine Geistesgenossen nach. Jeder, der sich fühlt, fängt von vorn an.
Deutscher (Deutscher, Schülern)
79. Nichts ist höher zu schätzen als der Wert des Tages.
Tag (Nichts, Tages)
80. Jede Absonderung, jede Bedingung, die unsern aufkeimenden Leidenschaften in den Weg tritt, schärft sie, anstatt sie zu dämpfen.
Leidenschaften (Leidenschaften)
82. Rat zu geben, ist das dümmste Handwerk, das einer treiben kann. Rate sich jeder selbst und tue, was er nicht lassen kann.
Handwerk (Handwerk)
83. Es schadet nichts, wenn Starke sich verstärken.
84. Ich bin so guter Dinge, so heiter und rein, und wenn ich einen Fehler beginge, könnts keiner sein.
85. Und wer am Zoll sitzt, ohne reich zu werden, ist ein Pinsel.
Zöllner (Zoll, Pinsel)
87. Ich kann mich nicht bereden lassen,
macht mir den Teufel nur nicht klein:
Ein Kerl, den alle Menschen hassen,
der muß was sein!
Kerl (Kerl)
88. Ich kann niemandem verdenken, daß er sich für seinen eigenen Nächsten hält.
Nächsten (Nächsten)
93. In jeder großen Trennung liegt ein Keim von Wahnsinn; man muß sich hüten, ihn nachdenklich auszubrüten und zu pflegen.
Abschied (Trennung, Keim, Wahnsinn)
94. Aus den Ärzten ist nichts zu bringen. Man weiß niemals, ob sie etwas geheimhalten, oder ob sie selbst nicht wissen, woran sie sind.
96. Wer sich dem Notwendigsten widmet, geht überall am sichersten zum Ziel.
Ziel (Ziel)
97. Mit einem Herren steht es gut,
Der, was er befohlen, selber tut.
Chef (Herren)
99. Wenn ich die Meinung eines andern anhören soll, so muß sie positiv ausgesprochen werden; Problematisches hab ich in mir selbst genug.
Zuhörer (Meinung)
102. Wer sich nicht nach der Decke streckt, dem bleiben die Füße unbedeckt.
Füße (Füße)
104. Wir Menschen sind unsere eigenen Teufel, wir vertreiben uns aus unserem Paradies.
105. Gegen die Kritik kann man sich weder schützen noch wehren; man muß ihr zum Trotz handeln, und das läßt sie sich nach und nach gefallen.
Kritik (Kritik, Trotz)
106. Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu uns kommen. Wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren, wie es mit ihnen steht.
107. Man verändert sich viel weniger, als man glaubt, und die Zustände bleiben sich auch meistens sehr ähnlich.
Zustände (Zustände)
109. Für alle Vögel gibt es Lockspeisen, und jeder Mensch wird auf seine eigene Art geleitet und verleitet.
Mensch (Mensch)
110. Der nur verdient geheimnisvolle Weihe,
der ihr durch Ahnung vorzugreifen weiß.
Ahnung (Ahnung)
113. Früher wurde im betrunkenen Zustand beraten und im nüchternen beschlossen - heute ist es umgekehrt.
Früher (Früher, Zustand)
114. Lang bei Hofe, lang bei Höll'.
Hofe (Hofe)
115. Sind Könige je zusammengekommen, so hat man immer nur Unheil vernommen.
Sind (Sind, Könige, Unheil)
116. Wenn sie mich an sich lockte,
war Rede nicht im Brauch,
und wie die Zunge stockte,
so stockt die Feder auch.
Liebe (Zunge, Feder)
117. Die schwer zu lösende Aufgabe strebender Menschen ist, die Verdienste älterer Mitlebender anzuerkennen und sich von ihren Mängeln nicht hindern zu lassen.
Aufgabe (Aufgabe, Verdienste, Mängeln)
118. Wir bilden uns ein, fromm zu sein, indem wir ohne Überlegungen hinschlendern, uns durch angenehme Zufälle determinieren lassen und endlich dem Resultat eines solchen schwankenden Lebens den Namen einer göttlichen Fügung geben.
Resultat (Resultat)
119. Das Leben lehrt uns, mit uns und anderen weniger streng zu sein.
Leben (Leben)
120. Der Alte verliert eins der größten Menschenrechte: Er wird nicht mehr von seinesgleichen beurteilt.
Alte (Alte, Menschenrechte)
121. Die Seele führt das Leben immer mit sich, also kann sie nicht sterben.
Seele (Seele, Leben)
123. Das Tun interessiert, das Getane nicht.
124. Ich frage nicht, ob dieses höchste Wesen Verstand und Vernunft habe, sondern ich fühle: Es ist der Verstand, es ist die Vernunft selber. Alle Geschöpfe sind davon durchdrungen, und der Mensch hat davon so viel, daß er Teile des Höchsten erkennen mag.
Wesen (Wesen, Verstand, Vernunft, Geschöpfe, Mensch, Teile)
125. Wie einer ist, so ist sein Gott. Darum ward Gott so oft zum Spott.
Gott (Gott)
126. Je älter ich werde, je mehr vertrau ich auf das Gesetz, wornach die Rose und Lilie blüht.
Gesetz (Gesetz, Rose, Lilie)
127. Die Menschen halten sich mit ihrer Neigung ans Lebendige. Die Jugend bildet sich wieder an der Jugend.
Jugend (Jugend)
128. Ein Vermummter, der kenntlich ist, spielt eine armselige Rolle.
Rolle (Rolle)
129. Wie kommts, daß du so traurig bist, da alles froh erscheint?
130. Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist; weiß ich, womit du dich beschäftigst, so weiß ich, was aus dir werden kann.
133. Die erste Zeit, da uns selbst die Idee noch neu ist, geht immer alles frischer und besser.
Zeit (Zeit, Idee)
134. Für sich kann man wohl noch den rechten Weg finden, für andre und mit andren scheint es fast unmöglich.
135. Die Menschen werden durch Gesinnungen vereint, durch Meinungen getrennt.
Meinungen (Meinungen)
136. Wenn man es genau betrachtet, so wird jede, auch nur die geringste Fähigkeit uns angeboren.
Fähigkeit (Fähigkeit)
137. Ich befinde mich in dem Falle Voltaires, der nichts heißer erstrebte als die Anerkennung derjenigen, die ihm ihren Beifall versagten.
Falle (Falle, Anerkennung, Beifall)
139. Die Klugen haben miteinander viel gemein.
140. Nichts ist bedeutender in jedem Zustand als die Dazwischenkunft eines Dritten.
Nichts (Nichts, Zustand)
141. Nicht allein das Angeborene, auch das Erworbene ist der Mensch.
Nicht (Nicht, Mensch)
142. Wir sind vielleicht zu antik gewesen;
Nun wollen wir es moderner lesen.
143. Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen,
Wenn es nicht aus der Seele dringt
Und mit urkräftigem Behagen
Die Herzen aller Hörer zwingt.
Beredsamkeit (Seele)
145. Wer wie ich ein ganzes Leben lang kostbare Zeit und Geld mit der Protektion junger Talente verloren hat, und zwar Talente, die anfänglich die höchsten Hoffnungen erweckten, aus denen aber am Ende gar nichts geworden ist, dem muß wohl der Enthusiasmus und die Lust, in solcher Richtung zu wirken, nach und nach vergehen.
Leben (Leben, Zeit, Geld, Protektion, Talente, Hoffnungen, Ende, Enthusiasmus, Lust)
146. Glaube ist Liebe zum Unsichtbaren, Vertrauen aufs Unmögliche, Unwahrscheinliche.
Glaube (Liebe, Vertrauen)
148. Ein Schiff, das nicht mehr die hohe See hält, ist zu einem Küstenfahrer vielleicht immer noch nütze.
Küstenfahrer (Küstenfahrer)
150. Ein großer Geist irrt sich so gut wie ein kleiner; jener, weil er keine Schranken kennt, und dieser, weil er seinen Horizont für die Welt hält.
Geist (Geist, Schranken, Horizont, Welt)
151. Erlaubt ist, was gefällt.
153. Allwissend bin ich nicht, doch viel ist mir bewußt.
155. Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag.
156. Das Übel, das du fürchtest, wird gewiß durch deine Tat.
158. Eine einzige Nacht an deinem Herzen! - Das andre
gibt sich. Es trennet uns noch Amor in Nebel und Nacht.
Nacht (Nacht, Nebel)
159. Mir ist nicht bange, daß Deutschland nicht eins werde; unsere guten Chausseen und künftigen Eisenbahnen werden schon das Ihrige thun. Vor allem aber sei es eins in Liebe untereinander, und immer sei es eins gegen den auswärtigen Feind; eins, daß der deutsche Thaler und Groschen im ganzen Reiche gleichen Werth habe; eins, daß mein Reisekoffer durch alle sechsunddreißig Staaten ungeöffnet passieren könne.
Deutschland (Deutschland, Eisenbahnen, Liebe, Feind, Groschen, Reiche)
160. Was man nicht bespricht, bedenkt man auch nicht recht.
162. Älter werden heißt selbst ein neues Geschäft antreten; alle Verhältnisse verändern sich, und man muß entweder zu handeln ganz aufhören oder mit Willen und Bewußtsein das neue Rollenfach übernehmen.
Geschäft (Geschäft, Verhältnisse, Willen, Bewußtsein)
164. Ein heiterer Tag ist wie ein grauer, wenn wir ihn ungerührt ansehen.
165. Wer von Langeweile befallen ist, wähnt sich untauglich zu jeder Art Arbeit und neigt dazu, seinem Tun allen Sinn und Nutzen abzusprechen.
Langeweile (Langeweile, Arbeit, Sinn, Nutzen)
166. Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich alles wissen.
Zwar (Zwar)
167. Was ist ein souveräner Mann? Das ist bald gesagt: der, den man nicht hindern kann, ob er nach Gutem oder Bösem jagt.
Souveränität (Mann)
169. Als Knabe verschlossen und trutzig,
als Jüngling anmaßlich und stutzig,
als Mann zu Taten willig,
als Greis leichtsinnig und grillig!
Auf deinem Grabstein wird man lesen:
Das ist fürwahr ein Mensch gewesen!
Knabe (Knabe, Jüngling, Mann, Taten, Greis, Grabstein, Mensch)
171. Vom Rechte, das mit uns geboren ist, von dem ist leider nie die Frage.
Frage (Frage)
172. Über viele Dinge kann ich nur mit Gott reden.
Gott (Gott)
174. Die Zeit ist mein Besitz, mein Acker ist die Zeit.
Zeit (Zeit, Acker)
179. Was mochte daraus geworden sein, wenn ich mit wenigen Freunden vor dreißig Jahren nach Amerika gegangen wäre und von Kant usw. nichts gehört hätte?
Freunden (Freunden, Amerika)
180. Undank ist immer eine Art Schwäche. Ich habe nie gesehen, daß tüchtige Menschen undankbar gewesen sind.
Undank (Undank, Schwäche)
182. Bei euch, ihr Herrn, kann man das Wesen gewöhnlich aus dem Namen lesen.
Wesen (Wesen)
183. Kunst ist Eine Vermittlerin des Unaussprechlichen; darum scheint es eine Torheit, sie wieder durch Worte vermitteln zu wollen.
Kunst (Vermittlerin, Torheit, Worte)
185. Wer das Recht auf seiner Seite fühlt, muß derb auftreten: Ein höfliches Recht will gar nichts heißen.
Recht (Recht, Seite)
186. Eine Masse gemünztes Gold und Silber verleiht selbst dem Unwahren Ansehen und Gewicht; man läßt die Lüge gelten, indem man die Barschaft beneidet.
Masse (Masse, Silber, Gewicht, Lüge, Barschaft)
187. Hat einer dreißig Jahr' vorüber,
So ist er schon so gut wie tot.
Alter (Jahr)
188. Aller Anfang ist leicht, und die letzten Stufen werden am schwersten und seltensten erstiegen.
Anfang (Anfang)
189. Das Absolute steht noch über dem Vernünftigen.
190. Die Höhe reizt uns, nicht die Stufen; den Gipfel im Auge wandeln wir gerne auf der Ebene.
Höhe (Höhe, Gipfel, Ebene)
191. Das Alter ist nicht kindisch, wie man spricht,
Es findet uns nur noch als wahre Kinder.
Alter (Alter, Kinder)
192. Knurre nicht, Pudel!
193. So ist es die allmächtige Liebe, die alles bildet, alles hegt.
Liebe (Liebe)
194. Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt! Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt.
Gestalt (Gestalt, Gewalt)
195. Ich würde Sie dringender einladen, wenn ich mir nicht allzusehr bewußt wäre, daß wir in dem Herbst und Winter des Lebens starrer und schroffer werden als billig ist: die Wirkung dieser Eigenschaften wird durch guten Willen, am besten aber durch Entfernung gemildert.
Herbst (Herbst, Winter, Wirkung, Eigenschaften, Willen, Entfernung)
196. Wenn auch die Welt im ganzen fortschreitet, die Jugend muß doch immer von vorne anfangen.
Anfang (Welt, Jugend)
197. Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
befreit der Mensch sich, der sich überwindet.
Gewalt (Gewalt, Wesen, Mensch)
198. Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.
Punkt (Epoche, Weltgeschichte)
199. Die Weisen sagen: Beurteile niemand, bis du an seiner Stelle gestanden hast.
Weisen (Weisen, Stelle)
200. Denke nur niemand, daß man auf ihn als den Heiland gewartet habe!
201. Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken, was nicht die Vorwelt schon gedacht?
202. An Erfahrung fehlt es uns nicht, aber an der Gemütsruhe, wodurch das Erfahrene ganz allein klar, wahr, dauerhaft und nützlich wird.
Ausgeglichenheit (Erfahrung, Erfahrene)
203. Noch ist es Tag, da rühre sich der Mann,
die Nacht tritt ein, wo niemand wirken kann.
Noch (Noch, Mann, Nacht)
205. Über Rosen läßt sich dichten, in die Äpfel muß man beißen.
Rosen (Rosen)
206. Dem Greifenden ist meist Fortuna hold.
207. So überschlägt sich die Zeit wie ein Stein vom Berge herunter, und man weiß nicht, wo sie hinkommt und wo man ist.
Zeit (Zeit, Berge)
208. Wo Lampen brennen, gibt's Ölflecken, wo Kerzen brennen, gibt's Schnuppen.
Lampen (Lampen, Kerzen)
209. Es ist klug und kühn, dem unvermeidlichen Übel entgegen zu gehn.
210. Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben.
211. Prüft das Geschick dich, weiß es wohl warum:
Es wünscht dich enthaltsam! Folge stumm.
Geschick (Geschick)
212. Ämtchen bringen Käppchen,
Ämtchen bringen Läppchen;
Reißen oft die Kappen
Und das Kleid in Lappen.
Lappen (Lappen)
213. Der Feinste betrügt sich oft, gerade weil er zuviel sichert.
215. Und wo die Herzen weit sind, da ist das Haus nicht zu eng.
Haus (Haus)
217. Was man in der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle.
Alter (Jugend, Alter)
218. Ein guter Abend kommt heran,
Wenn ich den ganzen Tag getan.
Abend (Abend)
219. Ein heftiger, wenngleich ungerechter Angriff bleibt kühn und ehrenhaft; jede Verteidigung ist immer mißlich, sei sie auch noch so gut gemacht.
Angriff (Angriff, Verteidigung)
220. Ich bin der Geist, der stets verneint!
Geist (Geist)
221. Bei der Abreise fällt einem doch immer jedes frühere Scheiden und auch das künftige letzte unwillkürlich in den Sinn.
Abreise (Abreise, Sinn)
223. Durch ein paar Züge aus dem Becher der Liebe hält uns die Natur für ein Leben voll Mühe schadlos.
Liebe (Durch, Liebe, Leben, Mühe)
224. Sobald man spricht, beginnt man schon zu irren.
Irrtum (Sobald)
226. Die unbegreiflich hohen Werke sind herrlich wie am ersten Tag.
227. Denn bei der größten Wahrheitsliebe kommt derjenige, der vom Absurden Rechenschaft geben soll, immer ins Gedränge: er will einen Begriff davon überliefern, und so macht er es schon zu etwas, da es eigentlich ein Nichts ist, welches für etwas gehalten sein will.
Wahrheitsliebe (Wahrheitsliebe, Rechenschaft, Gedränge, Nichts)
228. Alles Große und Gescheite existiert in der Minorität Es ist nie daran zu denken, daß die Vernunft populär werde. Leidenschaften und Gefühle mögen populär werden, aber die Vernunft wird immer nur im Besitze einzelner Vorzüglicher sein.
Große (Große, Vernunft, Leidenschaften)
229. Jeder Hahn ist König auf seinem Misthaufen.
König (König)
232. Wenn ihr das Leben gar zu ernsthaft nehmt - was ist denn dran?
Leben (Leben)
235. Spät erklingt, was früh erklang, Glück und Unglück wird Gesang.
Glück (Glück, Gesang)
237. Auch was Geschriebnes forderst du Pedant?
239. Ein Mann, der recht zu wirken denkt,
Muß auf das beste Werkzeug halten.
Ansehen (Mann, Werkzeug)
240. Du bist sehr eilig, meiner Treu! Du suchst die Tür und läufst vorbei.
241. Es ist mit den Ableitungsgründen wie mit den Einteilungsgründen: sie müssen durchgehen, oder es ist gar nichts dran.
242. Die Gegenwart des Elenden ist dem Glücklichen nur zur Last, und ach, der Glückliche dem Elenden noch mehr.
Gegenwart (Gegenwart, Last)
244. Es nimmt der Augenblick, was Jahre geben.
Tod (Jahre)
245. Mein Busen drängt
Sich nach ihm hin
Ach dürft ich fassen
Und halten ihn, Und küssen ihn
So wie ich wollt
An seinen Küssen
Vergehen sollt!
Mein (Mein)
246. Ich kann das Predigen nicht vertragen; ich glaube, ich hab in meiner Jugend mich daran übergessen.
Predigt (Predigen, Jugend)
247. Nichts schrecklicher kann den Menschen geschehn
als das Absurde verkörpert zu sehn.
Nichts (Nichts)
248. Es ist nichts groß als das Wahre, und das kleinste Wahre ist groß.
Wahrheit (Wahre)
249. Was Alte lustig sungen,
Das zwitschern muntre Jungen;
Was tüchtige Herren taten,
Wird Knechten auch geraten;
Was einer kühn geleistet,
Gar mancher sich erdreistet.
Alte (Alte, Jungen, Herren, Wird, Knechten)
250. Mein Erbteil, wie herrlich, weit und breit!
Die Zeit ist mein Besitz, mein Acker ist die Zeit.
Mein (Mein, Erbteil, Zeit, Acker)
251. Es gehört zu den traurigsten Bedingungen, unter denen wir leiden, uns nicht allein durch den Tod, sondern auch durch das Leben von denen getrennt zu sehen, die wir am meisten schätzen und lieben und deren Mitwirkung uns am besten fördern könnte.
Bedingungen (Bedingungen, Leben, Mitwirkung)
252. Das Alter muß doch einen Vorzug haben,
daß, wenn es auch dem Irrtum nicht entgeht,
es doch sich auf der Stelle fassen kann.
Alter (Alter, Vorzug, Irrtum, Stelle)
253. Bereitung braucht es nicht voran:
Beisammen sind wir, fanget an!
255. Über das Absurde schreit jedermann auf und freut sich, etwas so tief unter sich zu sehen. Über das Mittelmäßige erhebt man sich mit Behaglichkeit.
Behaglichkeit (Behaglichkeit)
256. Wir wollen einander nicht aufs ewige Leben vertrösten. Hier noch müssen wir glücklich sein.
Leben (Leben)
257. Es wäre doch hübsch, wenn man es dahin brächte, daß man wüßte, was die Leute urteilen müssen.
Leute (Leute)
258. Wer an nichts glaubt, verzweifelt an sich selber.
259. Heut' ist mir alles herrlich; wenn's nur bliebe!
Ich sehe heut' durchs Augenglas der Liebe.
Liebe (Liebe)
260. Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande.
Anfang (Knopfloch, Rande)
261. Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles.
Nach (Nach, Golde)
262. Es kommt darauf an, daß in einer Nation viel Geist und tüchtige Bildung im Kurs sei, wenn ein Talent sich schnell und freudig entwickeln soll.
Nation (Nation, Geist, Bildung, Kurs, Talent)
263. Alles, was wir treiben und tun, ist ein Abmüden; wohl dem, der nicht müde wird!
264. Die Deutschen wie die Juden lassen sich wohl unterdrücken, aber nicht vertilgen. Sie lassen sich nicht entmutigen und bleiben stark geeint, selbst wenn es ihnen beschieden wäre, kein Vaterland mehr zu besitzen.
Deutschen (Deutschen, Juden, Vaterland)
265. Mein Leipzig lob ich mir!
Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.
Leipzig (Mein, Paris, Leute)
266. Ihr habt das Recht, gesittet Pfui zu sagen. ~ Man
darf das nicht vor keuschen Ohren nennen, ~
Was keusche Herzen nicht entbehren können.
Recht (Recht, Ohren)
267. Denn der Tod ist Gebot, das versteht sich nun einmal dorthin! - Ich muß! Ich muß! Gönnt mir den Flug!
Tod (Flug)
268. Möge das Studium der griechischen und römischen Literatur immerfort die Basis der höheren Bildung bleiben!
Möge (Möge, Studium, Bildung)
269. Der Schnee ist eine erlogene Reinlichkeit.
Schnee (Schnee)
270. Da gab's ein Gerede, man weiß nicht wie,
das nennt man eine Akademie.
Akademie (Gerede)
271. Auf ernstem Lebensgrunde zeigt sich das Heitere so schön.
272. Gewöhnlich aber wirft man eine Abneigung auf etwas, das man nicht vollenden kann, als auf ein Ding, das uns widerstrebt und des wir nicht Herr werden können.
Abneigung (Abneigung, Ding, Herr)
273. Was glänzt, ist für den Augenblick geboren, das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.
Echte (Echte, Nachwelt)
274. Alles in der Welt kommt auf einen gescheiten Einfall und auf einen festen Entschluß an.
Welt (Welt, Einfall)
276. Was bin ich denn gegen das All?
277. Wie hoch ist doch jede wahre Neigung zu schätzen in einer Welt, wo Gleichgültigkeit und Abneigung eigentlich recht zu Hause sind.
Eigeninteresse (Welt, Abneigung, Hause)
278. Dich zu verjüngen, gibt's auch ein natürlich Mittel.
Dich (Dich, Mittel)
281. Als ich jung war, waren alle meine Glieder gelenkig bis auf eins. Jetzt, wo ich alt bin, sind alle meine Glieder steif, bis auf eins.
282. Um Gedanken und Anschauungen ist es den Leuten auch gar nicht zu tun. Sie sind zufrieden, wenn sie nur Worte haben, womit sie verkehren.
Wort (Anschauungen, Leuten, Worte)
283. Schon wieder Krieg! Der Kluge hörts nicht gern.
Krieg (Krieg)
284. Armut, Keuschheit und Gehorsam, - drei Gelübde, deren jedes, einzeln betrachtet, der Natur das unausstehlichste scheint, so unerträglich sind sie alle.
Armut (Armut, Gelübde)
285. Das Schöne und Gute ist was Wirkliches.
286. Unmöglich ist's, drum eben glaubenswert.
287. Vor die Wahl gestellt zwischen Unordnung und Unrecht, entscheidet sich der Deutsche für das Unrecht.
Wahl (Wahl, Unordnung, Unrecht)
289. Der Worte sind genug gewechselt,
Laßt mich auch endlich Taten sehn!
Indes Ihr Komplimente drechselt,
Kann etwas Nützliches geschehn.
Statistik (Worte, Taten, Komplimente, Kann)
290. Wie gar manches in der Welt einen umgekehrten Gang nimmt, so häufen sich die Forderungen, die an uns geschehen, mit dem Alter, das uns, ihnen genug zu tun, unfähiger macht.
Welt (Welt, Gang, Forderungen, Alter)
291. Aller Anfang ist heiter, die Schwelle ist der Platz der Erwartung.
Anfang (Anfang)
293. Alles, was uns begegnet, läßt Spuren zurück. Alles trägt unmerklich zu unserer Bildung bei.
Bildung (Bildung)
294. Dem Hunde, wenn er gut gezogen, wird selbst ein weiser Mann gewogen.
Hunde (Hunde, Mann)
295. Das Kalte wird warm,
der Reiche wird arm,
der Narre gescheit:
Alles zu seiner Zeit.
Zeit (Kalte, Reiche, Zeit)
296. Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
Teil (Teil, Kraft)
297. Deine Größe, Berlin, pflegt jeder Fremde zu rühmen; Führt der Weg ihn zu uns, stutzt er, so klein uns zu sehn.
Größe (Größe, Berlin)
298. Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur! Es dringen Blüten
aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch. Und Freud und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd', o Sonne,
O Glück, o Lust. O Lieb', o Liebe,
So golden schön
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn, Du segnest herrlich
Das frische Feld -
Im Blütendampfe
Die volle Welt! O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb' ich dich!
Wie blinkt dein Auge,
Wie liebst du mich! So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft, Wie ich dich liebe
Mit warmen Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud' und Mut Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst.
Mai (Sonne, Zweig, Gesträuch, Freud, Wonne, Brust, Glück, Lust, Liebe, Welt, Mädchen, Lerche, Gesang, Luft, Blut, Jugend, Liedern, Tänzen)
299. Lebst im Volke; sei gewohnt, keiner je des andern schont.
Volke (Volke)
300. Geist und Sinne stumpfen sich so leicht gegen die Eindrücke des Schönen und Vollkommenen ab, daß man die Fähigkeit, es zu empfinden, bei sich auf alle Weise erhalten sollte.
Geist (Geist, Eindrücke, Fähigkeit, Weise)
302. Je früher der Mensch gewahr wird, daß es ein Handwerk, daß es eine Kunst gibt, die ihm zur geregelten Steigerung seiner natürlichen Anlagen verhelfen, desto glücklicher ist er.
Mensch (Mensch, Handwerk, Steigerung, Anlagen)
303. Wenn der Jüngling absurd ist,
fällt er darüber in lange Pein;
Der Alte soll nicht absurd sein,
weil das Leben ihm kurz ist.
Jüngling (Jüngling, Pein, Alte, Leben)
304. Gesetz ist mächtig, mächtiger ist die Not.
Gesetz (Gesetz)
305. Sich auf ein Handwerk zu beschränken ist das Beste. (Ich denke, unsere neue Filiale kann sich sehen lassen und hat das Zeug, eine gute Figur zu machen. Schon bei Johann Wolfgang von Goethe heißt es: ...Meine Familie tut das seit ... (Zahl) Generationen. In einer Zeit, in der Bäckereien
Frisöre
... zu Aktiengesellschaften werden, ist das nicht selbstverständlich.)
Handwerk (Handwerk, Zeug, Johann, Wolfgang, Familie, Generationen, Zeit, Aktiengesellschaften)
306. Man kann nicht immer ein Held sein, aber man kann immer ein Mann sein.
Held (Held, Mann)
307. Willst du dich am Ganzen erquicken, so muss du das Ganze im Kleinsten erblicken.
Ganzen (Ganzen, Ganze)
308. Die Sorge, sie schleicht sich durchs Schlüsselloch ein.
Sorge (Sorge)
310. Ich denke, jeder muß bei sich selber anfangen und zunächst sein eigenes Glück machen, woraus dann zuletzt das Glück des Ganzen unfehlbar entstehen wird.
Glück (Glück, Ganzen)
311. Jedes ausgesprochene Wort erregt den Gegensinn.
Vorsicht (Wort)
312. Selten wird das Treffliche gefunden, seltener geschätzt.
313. Nichts ist vergänglich als der eine, der genießt und zuschaut.
Nichts (Nichts)
314. Amor bleibt ein Schalk, und wer ihm vertraut, ist betrogen.
317. Wir haben genug Zeit, wenn wir sie nur richtig verwenden.
Zeit (Zeit)
318. Man bemerkt, daß strenge Gesetze sich sehr bald abstumpfen und nach und nach loser werden, weil die Natur immer ihre Rechte behauptet.
Gesetze (Gesetze)
319. Das Sicherste bleibt immer, nur das Nächste zu tun, was vor uns liegt.
Nächste (Nächste)
321. Geschrieben steht: "Im Anfang war das Wort!"
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen.
Wort (Anfang, Wort)
322. Das Leben gehört dem Lebendigen an, und wer lebt, muß auf Wechsel gefaßt sein.
Leben (Leben, Wechsel)
324. Muß denn alles schädlich sein, was gefährlich aussieht?
327. Wer sich den Gesetzen nicht fügen lernt, muß die Gegend verlassen, wo sie gelten.
Gesetz (Gesetzen, Gegend)
328. Allein der Vortrag macht des Redners Glück;
Ich fühl' es wohl, noch bin ich weit zurück.
Vortrag (Allein, Vortrag, Glück)
329. Nur durch Aneignung fremder Schätze entsteht ein Großes.
Schätze (Schätze)
330. Alle Blüten müssen vergehen, damit Früchte beglücken.
Früchte (Früchte)
331. Ich liebe mir den heitern Mann
Am meisten unter meinen Gästen:
Wer sich nicht selbst zum besten haben kann,
Der ist gewiß nicht von den Besten.
Gast (Mann, Gästen)
332. Wenn du eine weise Antwort verlangst, mußt du vernünftig fragen.
Frage (Antwort)
333. Das Falsche hat den Vorteil, daß man immer darüber schwätzen kann; das Wahre muß gleich genutzt werden, sonst ist es nicht da.
Wahrheit (Vorteil, Wahre)
334. Der Mensch ist nicht eher glücklich, als bis sein unbedingtes Streben sich selbst seine Begrenzung bestimmt.
Mensch (Mensch, Streben, Begrenzung)
336. Ein edler Mensch zieht edle Menschen an und weiß sie festzuhalten.
Führung (Mensch)
337. Wenn keine Narren auf der Welt wären, was wäre die Welt?
Welt (Welt)
339. Die Männer wissen gar viel, wenn sie etwas finden können, was uns, wenigstens dem Scheine nach, herabsetzt.
Männer (Männer, Scheine)
341. Fahrt fort in unmittelbarer Beachtung der Pflicht des Tages und prüft dabei die Reinheit eures Herzens und die Sicherheit eures Geistes. Wenn ihr sodann in freier Stunde aufatmet und euch zu erheben Raum findet, so gewinnt ihr auch gewiß eine richtige Stellung gegen das Erhabene.
Tages (Tages, Herzens, Sicherheit, Geistes)
342. Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis, wenn man ihn wohl zu pflegen weiß.
Freund (Kreis)
346. Zum Lichte des Verstandes können wir immer gelangen; aber die Fülle des Herzens kann uns niemand geben.
Herzens (Herzens)
347. Mit Frauen soll man sich nie unterstehen zu scherzen.
Frauen (Frauen)
348. Kein Unglück berechtigt uns, einen Unschuldigen mit Vorwürfen zu beladen.
Kein (Kein)
349. Behandelt die Frauen mit Nachsicht!
Aus krummer Rippe ward sie erschaffen,
Gott konnte sie nicht ganz grade machen.
Willst du sie biegen, sie bricht;
läßt du sie ruhig, sie wird noch krümmer.
Du guter Adam, was ist denn schlimmer.
Frauen (Frauen, Rippe, Gott, Adam)
350. Liegt dir gestern klar und offen wirkst du heute kräftig frei, kannst auch ein Morgen hoffen, das nicht minder glücklich sei.
Liegt (Liegt, Morgen)
354. Das Tun interessiert, das Getane nicht. (Dieses Wort stammt von dem großen deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Sicher, spannender ist das, was jetzt kommt. Das Neue ist immer aufregend. - Aber in Augenblicken wie diesen ist es wichtig, einen Schritt zurückzutreten, das Getane zu betrachten und zu prüfen. Wenn wir damit zufrieden sind, dann können wir sagen: Weiter so!)
Ehejubiläum (Dieses, Wort, Johann, Wolfgang, Sicher, Neue, Augenblicken, Schritt, Weiter)
355. Vom Ziel haben viele Menschen einen Begriff, nur möchten sie es gerne schlendernd erreichen.
Ziel (Ziel)
356. Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Frühling (Bäche, Durch, Frühlings, Blick)
358. Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,
Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.
Zuhörer (Mensch, Worte)
359. Erst haben wir ihn reich gemacht,
Nun sollen wir ihn amüsieren.
Erst (Erst)
361. Zwischen heut' und morgen
liegt eine lange Frist,
lerne schnell besorgen,
da du noch munter bist!
Frist (Frist)
363. Denn eine schöne Frau hat manchen Dieb gerettet.
364. Was kann erwünschter sein als entschiedenes Andenken des Höchsten aus einer Zeit, die nicht wiederkommt?
Andenken (Andenken, Zeit)
366. Denn nicht allein körperliche Kühnheit will dem Alter selten geziemen, auch geistige Kühnheit steht ihm nicht wohl.
Kühnheit (Kühnheit, Alter)
367. Heiraten, Engel, ist wunderlich Wort:
Ich meint', da müßt' ich gleich wieder fort.
Engel (Engel, Wort)
368. Wenn ein paar Menschen recht miteinander zufrieden sind, kann man meistens versichert sein, daß sie sich irren.
Friede (Friede, Club, Verein)
371. Denn es ist kein Anerkennen,
weder vieler, noch des einen,
wenn es nicht am Tage fördert
wo man selbst was möchte scheinen.
Tage (Tage)
373. Es ist wunderbar, ein Mensch, der sich über so vieles hinaussetzt, wird doch an einer Ecke mit Zwirnsfäden angebunden.
Mensch (Mensch, Ecke)
375. Das Alter kann kein größeres Glück empfinden, als daß es sich in die Jugend hineingewachsen fühlt und mit ihr nun fortwächst.
Alter (Alter, Glück, Jugend)
376. Die ganze Theorie des Anstandes läßt sich auf den unsicheren Grund des Vorurteils zurückführen.
Grund (Grund, Vorurteils)
377. Es ließe sich alles trefflich schlichten, könnte man die Sachen zweimal verrichten.
Sachen (Sachen)
378. O Männer wüßtet ihr's, ihr könntet wartend ruhn. Uns ist's so viel um euch, als euch um uns zu tun.
Männer (Männer)
379. Unmöglich scheint immer die Rose, unbegreiflich die Nachtigall.
Rose (Rose)
380. Die Menschen treffen viel mehr zusammen in dem, was sie tun, als in dem, was sie denken.
383. Mir bleibt genug! Es bleibt Idee und Liebe!
Idee (Idee, Liebe)
384. Der edle Mensch kann sich in Momenten vernachlässigen, der vornehme nie.
Mensch (Mensch, Momenten)
386. Ach! unsre Taten selbst, so gut als unsre Leiden, sie hemmen unsres Lebens Gang.
Taten (Taten, Gang)
387. Glücklicherweise kann der Mensch nur einen gewißen Grad des Unglücks fassen; was darüber hinausgeht, vernichtet ihn oder läßt ihn gleichgültig.
Mensch (Mensch, Grad, Unglücks)
389. O Freiheit süß der Presse!
Kommt, laßt uns alles drucken,
Und walten für und für;
Nur sollte keiner mucken,
Der nicht so denkt wie wir.
Freiheit (Freiheit, Presse, Kommt)
390. Wie seltsam uns ein tiefes Schicksal leitet und, ach ich fühls, im Stillen werden wir zu neuen Szenen vorbereitet.
Szenen (Szenen)
391. Alter: stufenweises Zurücktreten aus der Erscheinung.
Alter (Alter)
392. Man kann in wahrer Freiheit leben und doch nicht ungebunden sein.
Freiheit (Freiheit)
393. Eigentlich lernen wir nur von den Büchern, die wir nicht beurteilen können. Der Verfasser eines Buches, das wir beurteilen können, müßte von uns lernen.
Buch (Eigentlich, Büchern, Verfasser, Buches)
394. Wenn weise Männer nicht irrten, müßten die Narren verzweifeln.
Irrtum (Männer)
395. Es gibt wenig Menschen, die sich mit dem Nächstvergangenen zu beschäftigen wissen.
396. Versöhnt man sich, so bleibt doch etwas hängen.
397. Wüchsen die Kinder in der Art fort, wie sie sich andeuten, so hätten wir lauter Genies.
Kinder (Kinder)
398. Das Beet schon lockert
Sich's in die Höh',
Da wanken Glöckchen
So weiß wie Schnee;
Safran entfaltet
Gewalt'ge Glut,
Smaragden keimt es
Und keimt wie Blut.
Primeln stolzieren
So naseweis,
Schalkhafte Veilchen
Versteckt mit Fleiß;
Was auch noch alles
Da regt und webt,
Genug, der Frühling
Er wirkt und lebt.
Frühling (Beet, Schnee, Safran, Gewalt, Smaragden, Blut, Veilchen, Fleiß, Frühling)
399. Keiner bescheidet sich gern mit dem Teile, der ihm gebühret, und so habt ihr den Stoff immer und ewig zum Krieg.
Keiner (Keiner, Teile, Krieg)
400. Gott hat die Gradheit selbst ans Herz genommen; auf gradem Weg ist niemand umgekommen.
Gott (Gott, Herz)
401. Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort
Der Frauen weit geführt.
Frau (Mann, Wort, Frauen)
404. Freund, wer ein Lump ist, bleibt ein Lump, zu Wagen, Pferd und Fuße; Drum glaub an keinen Lumpen je, an keines Lumpen Buße.
Wagen (Wagen, Pferd, Fuße, Lumpen, Buße)
406. Wer ein Übel los sein will, der weiß immer, was er will.
407. Man kann die Erfahrung nicht früh genug machen, wie entbehrlich man in der Welt ist.
Erfahrung (Erfahrung, Welt)
408. Es soll nicht genügen, daß man Schritte tue, die einst zum Ziele führen, sondern jeder Schritt soll Ziel sein und als Schritt gelten.
Schritte (Schritte, Ziele, Schritt, Ziel)
409. Wahre Lieb ist die, die immer und immer sich gleichbleibt, Wenn man ihr alles gewährt, wenn man ihr alles versagt.
Wahre (Wahre)
410. Eine Sammlung von Anekdoten und Maximen ist für den Weltmann der größte Schatz, wenn er die ersten an schicklichen Orten ins Gespräch einzustreuen, der letzten im treffenden Falle sich zu erinnern weiß.
Anekdote (Anekdoten, Schatz, Orten, Gespräch, Falle)
412. Laß mich an den Wohltaten deiner Überzeugungen teilnehmen und behalte deine Zweifel für dich selbst, da ich hieran schon genug allein zu tragen habe.
Zweifel (Zweifel)
413. Ich fühle wohl, Bester, es gehört Genie zu allem, auch zum Märtyrertum.
Genie (Genie)
414. Wärt ihr, Schwärmer, imstande, die Ideale zu fassen, O! so verehrtet ihr auch, wie sichs gebührt, die Natur.
415. Von Jahren zu Jahren muß man viel Fremdes erfahren. Du trachte, wie du lebst und leibst, daß du nur immer derselbe bleibst.
416. Jede große Idee, sobald sie in Erscheinung tritt, wirkt tyrannisch.
Idee (Idee)
417. Die Krankheit erst bewähret den Gesunden.
418. Es ist eine der größten Himmelsgaben,
So ein lieb Ding im Arm zu haben.
Frau (Ding)
422. Es ist gefährlich, wenn man allzulang sich klug und mäßig zeigen muß.
424. Selbst ein so himmlisches Paar fand nach der Verbindung sich ungleich:
Psyche ward älter und klug, Amor ist immer noch Kind.
Selbst (Selbst, Verbindung, Psyche, Kind)
425. Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir.
Jahr (Jahr, Sonnenschein, Wolken)
426. Jede Frau schließt die andere aus, ihrer Natur nach: Denn von jeder wird alles gefordert, was dem ganzen Geschlechte zu leisten obliegt.
427. Wenn einen Menschen die Natur erhoben,
ist es kein Wunder, wenn ihm viel gelingt;
man muß in ihm die Macht des Schöpfers loben,
der schwachen Ton zu solcher Ehre bringt.
Schöpfers (Schöpfers, Ehre)
429. Ein Glück ist's, dass jedem nur sein eigner
Zustand zu behagen braucht.
Glück (Glück)
430. Hoffen und Harren ist gar meine Sache nicht.
432. Was, ohne Haupt, was fördert die Glieder? Denn schläfert jenes, alle sinken nieder.
Haupt (Haupt)
433. Wie zieret den bescheidnen Mann der Kranz!
Mann (Mann)
434. Es ist nicht genug zu wissen, man muß es auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muß es auch tun.
436. Du mußt von einem Mann nicht alles fordern.
Mann (Mann)
438. Das Leben gleicht jener beschwerlichen Art zu wallfahrten, wo man drei Schritte vor und zwei zurücktun muß.
Leben (Leben, Schritte)
440. Es kommt nur immer darauf an, daß derjenige, von dem wir lernen wollen, unserer Natur gemäß sei.
441. Ich sag' es dir: Ein Kerl, der spekuliert,
Ist wie ein Tier auf dürrer Heide.
Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt,
Und ringsumher liegt schöne grüne Weide.
Spekulation (Kerl, Tier, Geist, Kreis, Weide)
442. Und einmal vor allemal, eine Hierarchie ist ganz und gar wider den Begriff einer echten Kirche.
Hierarchie (Hierarchie)
443. Von allen Geistern, die verneinen, ist mir der Schalk am wenigsten zur Last.
Geistern (Geistern, Last)
444. Wenn du nicht irrst, kommst du nicht zu Verstand, willst du entstehn, entsteh' auf eigne Hand.
Verstand (Verstand)
445. Das Alter ehr ich, denn es hat für mich gelebt.
Die Jugend schätz ich, die für mich nun leben soll.
Alter (Alter, Jugend)
446. Der Tag ist grenzenlos lang, wer ihn nur zu schätzen und zu nützen weiß!
447. Es ist nicht klug, es ist nicht wohlgetan, vorsätzlich einen Menschen zu verkennen.
448. Es ist dem geselligen Menschen ganz gleichgültig, ob er nutzt oder schadet, wenn er nur unterhalten wird.
449. Du hast wohl recht: ich finde nicht die Spur von einem Geist, und alles ist Dressur.
Spur (Spur, Geist)
450. In der Idee leben heißt, das Unmögliche behandeln, als wenn es möglich wäre.
Idee (Idee)
451. Alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht.
452. Man sieht also, daß man, um vornehm zu scheinen, wirklich vornehm sein müsse.
453. Mit dem Ernsten und Wichtigen spielen, verderbt den Menschen.
454. Es ist gar nichts an einem Feste ohne wohlgeputzt vornehme Gäste.
Jubiläum (Feste, Gäste)
455. Willst du mit mir hausen, so laß die Bestie draußen.
Bestie (Bestie)
456. Unter allen Festen ist das Hochzeitsfest das unschicklichste. Keines sollte mehr in Stille, Demut und Hoffnung begangen werden als dieses.
Hochzeit (Stille, Demut, Hoffnung)
457. Sancta simplicitas! Darum ists nicht zu tun; Bezeugt nur, ohne viel zu wissen!
460. Männer! Männer! Sie machen uns glücklich und elend.
Männer (Männer)
462. Die Katze, die der Jäger schoß,
Macht nie der Koch zum Hasen.
Jagd (Jäger, Hasen)
463. Es gibt Steine des Anstoßes, über die jeder Wanderer stolpern muß.
Steine (Steine)
464. Die Schönheit ist gefällig, ob sie gleich ein Geschenk des Himmels und kein selbst erworbener Wert ist.
Schönheit (Schönheit)
466. Werde klüger, so wie du älter wirst.
467. Die Gesellschaft macht einen rohen Menschen bald höflich, ein geschäftiges Leben den offensten vorsichtig.
Gesellschaft (Gesellschaft, Leben)
468. Die Buchhändler sind all des Teufels, für sie muß es eigene Hölle geben (gemeint sind die Verleger; d.Red.)
Verleger (Buchhändler)
470. Das Beste ist die tiefe Stille, in der ich gegen die Welt lebe und wachse und gewinne, was sie mir mit Feuer und Schwert nicht nehmen können.
Stille (Stille, Welt, Feuer, Schwert)
473. Welche Regierung die Beste sei? Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu regieren.
Welche (Welche, Regierung)
474. Mit Worten läßt sich trefflich streiten.
Worten (Worten)
475. Sei Er kein schellenlauter Tor! Es trägt Verstand und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vor.
Verstand (Verstand, Sinn)
476. Sie müssen etwas Großes haben, das sie hassen können.
478. Dem Schicksal ist es, nicht den Göttern, zu schenken das Leben und zu nehmen.
Göttern (Göttern, Leben)
481. Was du ererbtest von den Vätern, erwirb es um es zu besitzen!
Vätern (Vätern)
484. Und leider kann man nichts versprechen, was unserm Herzen widerspricht.
485. Doch deine Macht, o Sorge, schleichend-groß, ich werde sie nicht anerkennen!
Sorge (Sorge)
487. Im neuen Jahr Glück und Heil.
Auf Weh und Wunden gute Salbe.
Auf groben Klotz ein grober Keil.
Auf einen Schelmen anderthalbe.
Neujahr (Jahr, Glück, Wunden, Klotz, Keil)
489. Jeder Tag hat seine Plage, und die Nacht hat ihre Lust.
Nacht (Nacht, Lust)
492. Im übrigen aber ist es zuletzt die größte Kunst, sich zu beschränken und zu isolieren.
493. Wer mit holden Tönen kommt, Überall ist er willkommen.
Tönen (Tönen)
495. Handelt einer mit Honig, er leckt zuweilen die Finger.
Finger (Finger)
496. Welch ein Glück, geliebt zu werden! Und lieben - Götter - welch ein Glück!
Glück (Glück)
497. Man weiß, man siehts, man kann es greifen, und dennoch tanzt man, wenn die Luder pfeifen!
Luder (Luder)
500. Gleichnisse dürft ihr mir nicht verwehren.
Ich wüßte mich sonst nicht zu erklären.
Gleichnis (Gleichnisse)
501. Was bedeutend schmückt, es ist durchaus gefährlich.
502. Wen Gott niederschlägt, der richtet sich selbst nicht auf.
Gott (Gott)
503. Ein Mensch zeigt nicht eher seinen Charakter, als wenn er von einem großen Menschen oder irgend von etwas Außerordentlichem spricht.
Mensch (Mensch, Charakter)
504. S'ist so viel Heimweh in der Welt, daß eins dem andern die Waage hält.
Heimweh (Heimweh, Welt)
505. Die Hölle selbst hat ihre Rechte?
506. Wenn es eine Zeit zu schweigen gab, so gebe es auch eine Zeit zu reden und zu schreiben.
Zeit (Zeit)
507. Das Klügste, was man tun kann, um sich Ruhe zu verschaffen, daß man gegen die andern ein wenig unverträglich ist.
Ruhe (Ruhe)
508. Das Schöne ist ein enger Kreis, in dem man sich nur bescheiden bewegen darf.
Kreis (Kreis)
509. Nur der verdient die Gunst der Frauen, der kräftig sie zu schätzen weiss.
Gunst (Gunst, Frauen)
512. Frisch gewagt ist schon gewonnen, halb ist schon mein Werk vollbracht!
Werk (Werk)
513. Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm.
Fleiß (Welt)
514. Es ist besser, man betrügt sich an seinen Freunden, als daß man seine Freunde betrüge.
Freunden (Freunden, Freunde)
515. Bei den Griechen, deren Poesie und Rhetorik einfach und positiv war, erscheint die Billigung öfter als die Mißbilligung. Bei den Lateinern ist es dagegen umgekehrt, und je mehr sich die Poesie und Redekunst verdirbt, desto mehr wird der Tadel wachsen und das Lob in sich zusammenziehen.
Eigenlob (Poesie, Billigung, Mißbilligung, Redekunst, Tadel)
520. Tages Arbeit, abends Gäste;
Saure Wochen, frohe Feste! Sei dein künftig Zauberwort. (Das ist auch das Zauberwort eines erfolgreichen Unternehmens. Davon bin ich als Unternehmer auf jeden Fall überzeugt. Arbeit ist nicht alles. Zum Arbeitstag gehört der Feierabend, zum Arbeitsjahr gehören die "Feierwochen". Auf unserem Sommerfest wollen wir nichts anderes tun, als die Erfolge unserer gemeinsamen Arbeit zusammen zu feiern. (Redner erhebt sein Glas:) Auf ein erfolgreiches Sommerfest!)
Fest (Tages, Arbeit, Gäste, Wochen, Feste, Davon, Unternehmer, Fall, Arbeitstag, Feierabend, Sommerfest, Erfolge, Redner, Glas)
521. Es ist der Charakter der Deutschen, daß sie über allem schwer werden, daß alles über ihnen schwer wird.
Charakter (Charakter, Deutschen)
522. Gar vieles kann, gar vieles muß geschehn, was man mit Worten nicht bekennen darf.
Worten (Worten)
523. Der Hasser lehrt uns immer wehrhaft bleiben.
524. Um einen Mann zu schätzen, muß man ihn zu prüfen wissen.
Mann (Mann)
525. Ein innres Unbehagen fügt sich oft, auch wider unsern Willen, an die Tat.
Willen (Willen)
526. Man tut besser, daß man sich grad ausspricht, ohne viel beweisen zu wollen; alle Beweise, die wir vorbringen, sind doch nur Variationen unserer Meinung.
Beweis (Variationen, Meinung)
527. Weißt du, worin der Spaß des Lebens liegt? Sei lustig. Geht es nicht, so sei vergnügt.
Spaß (Spaß)
528. Nur die Lumpen sind bescheiden. Brave freuen sich der Tat.
Fest (Lumpen)
529. Man sollte nicht daran denken, fertig zu werden, wie man ja nicht reift, um anzukommen, sondern um zu reifen.
Alter (Alter, Reife, Starrsinn, Lernen)
532. Das einfach Schöne soll der Kenner schätzen; Verziertes aber spricht der Menge zu.
Kenner (Kenner)
533. Wenn man alle Gesetze studieren sollte, so hätte man gar keine Zeit, sie zu übertreten.
Gesetz (Gesetze, Zeit)
534. Wir hoffen immer, und in allen Dingen
Ist besser hoffen als verzweifeln.
Hoffnung (Dingen)
535. Das Alter ist ein höflicher Mann:
Einmal übers andre klopft er an,
Aber nun sagt niemand Herein:
Und vor der Tür will er nicht sein,
Da klinkt er auf, tritt ein so schnell,
Und nun heißt's, er sei ein grober Gesell.
Alter (Alter, Mann, Einmal)
536. Stolpern fördert!
538. Wer sich nicht zu viel dünkt, ist viel mehr, als er glaubt.
540. Die Welt ist so voller Schwachköpfe und Narren, daß man nicht nötig hat, sie im Tollhause zu suchen.
Welt (Welt)
543. Selbst der Geistliche vergißt, wohin er streben soll, und strebt nach Gold.
Selbst (Selbst)
545. Wenn die Menschen recht schlecht werden, haben sie keinen Anteil mehr als die Schadenfreude.
Anteil (Anteil, Schadenfreude)
546. Solang der Wirt nur weiter borgt,
Sind sie vergnügt und unbesorgt.
Trinken (Wirt, Sind)
547. Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht.
Nacht (Nacht)
548. Das Glück ist nicht einer kurzlebigen Freude gleichzusetzen, es ist vielmehr eine geheime, ein ganzes Leben lang wirkende Kraft!
Glück (Glück, Leben, Kraft)
549. Denn worin besteht die Barbarei anders als darin, daß man das Vortreffliche nicht anerkennt.
550. Wir alle leben vom Vergangenen und gehen am Vergangenen zugrunde.
551. Der beste Rat ist: Folge gutem Rat,
Und laß das Alter dir ehrwürdig sein.
Alter (Alter)
553. Unsere Frauen sollen gelobt werden, wenn sie so fortfahren, durch Betrachtung und Übung sich auszubilden.
Frauen (Frauen)
554. Wer sich vor der Idee scheut, hat auch zuletzt den Begriff nicht mehr.
Idee (Idee)
555. Alles in der Welt läßt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen.
Feier (Welt, Reihe)
556. Von zwei Dingen kann man sich nicht genug in acht nehmen: Beschränkt man sich in seinem Fache, vor Starrsinn, tritt man heraus, vor Unzulänglichkeit.
Dingen (Dingen, Starrsinn, Unzulänglichkeit)
558. Was man zu heftig fühlt, fühlt man nicht allzulang.
559. Alles Vornehme ist eigentlich ablehnend.
560. Was uns so sehr irre macht, wenn wir die Idee in der Erscheinung anerkennen sollen, ist, daß sie oft und gewöhnlich den Sinnen widerspricht.
Idee (Idee, Sinnen)
562. Wer's nicht besser machen kann, macht's wenigstens anders.
564. Wer streiten will, muß sich hüten, bei dieser Gelegenheit Sachen zu sagen, die ihm niemand streitig macht.
Gelegenheit (Gelegenheit, Sachen)
565. Und alles Drängen, alles Ringen ist ist ewige Ruh in Gott dem Herrn.
Gott (Gott)
566. Was ich besitze, mag ich gern bewahren: Der Wechsel unterhält, doch nutzt er kaum.
Wechsel (Wechsel)
568. Beim Himmel, dieses Kind ist schön!
So etwas hab' ich nie gesehn.
Sie ist so sitt- und tugendreich,
Und etwas schnippisch doch zugleich.
Schönheit (Beim, Himmel, Kind)
570. Ein wackerer Mann verdient ein begütertes Mädchen.
Mann (Mann, Mädchen)
571. Sucht nur die Menschen zu verwirren, sie zu befriedigen ist schwer.
573. Nach Golde drängt,
Am Golde hängt
Doch alles. Ach, wir Armen!
Gold (Nach, Golde, Armen)
574. Aller Anfang ist schwer! Das mag in einem gewissen Sinne wahr sein; allgemeiner aber kann man sagen: aller Anfang ist leicht, und die letzten Stufen werden am schwersten und seltensten erstiegen.
Anfang (Anfang)
575. Ein edler Mensch zieht edle Menschen an.
Mensch (Mensch)
576. Ein Gedicht soll entweder vortrefflich sein oder gar nicht existieren.
Gedicht (Gedicht)
577. Wer sich schont, muß sich selbst verdächtig werden.
578. Christus dachte einen alleinigen Gott, dem er alle die Eigenschaften beilegte, die er in sich selbst als Vollkommenheiten empfand. Er ward das Wesen seines eigenen schönen Innern, voll Güte und Liebe wie er selber.
Gott (Gott, Eigenschaften, Wesen, Innern, Güte, Liebe)
579. Ein neues Jahr erscheint, drum muß ich meine Pflicht und Schuldigkeit entrichten.
Jahr (Jahr, Schuldigkeit)
581. Du mußt herrschen und gewinnen, oder dienen und verlieren, leiden oder triumphieren, Amboß oder Hammer sein.
Sieg (Hammer)
583. Wer viel mit Kindern lebt, wird finden, daß keine äußere Einwirkung auf sie ohne Gegenwirkung bleibt.
Kindern (Kindern, Gegenwirkung)
585. Die Deutschen, und sie nicht allein, besitzen die Gabe, die Wissenschaften unzugänglich zu machen.
Wissenschaft (Deutschen, Gabe)
586. Was man nicht versteht, besitzt man nicht.
587. Ich verwünsche das Tägliche, weil es immer absurd ist.
588. Nicht die Sprache an und für sich ist richtig, tüchtig, zierlich, sondern der Geist ist es, der sich darin verkörpert.
Nicht (Nicht, Sprache, Geist)
589. Einem ist sie die hohe, die himmlische Göttin, dem andern
Eine tüchtige Kuh, die ihn mit Butter versorgt.
Wissenschaft (Göttin, Butter)
591. Der Feige droht nur, wo er sicher ist.
593. Ein jeglicher muß seinen Helden wählen, dem er die Wege zum Olymp hinauf sich nacharbeitet.
Helden (Helden, Wege, Olymp)
595. Unter allem Diebsgesindel sind die Narren die schlimmsten: Sie rauben euch beides, Zeit und Stimmung.
Zeit (Zeit, Stimmung)
598. Man kann die Nützlichkeit einer Idee anerkennen und doch nicht recht verstehen, sie vollkommen zu nutzen.
Nützlichkeit (Nützlichkeit, Idee)
599. Sieht man ein Übel, so wirkt man unmittelbar darauf, das heißt, man kuriert unmittelbar aufs Symptom los.
Symptom (Symptom)
600. Selbst wer gebieten kann, muß überraschen.
Selbst (Selbst)
602. Wie viele Jahre muß man nicht tun, um nur einigermaßen zu wissen, was und wie es zu tun sei!
Jahre (Jahre)
603. Eine Reise gleicht einem Spiel. Es ist immer etwas Gewinn und Verlust dabei - meist von der unerwarteten Seite.
Reise (Reise, Spiel, Verlust, Seite)
604. Ergeht es euch wohl, so denkt an mich.
605. Nur in der Schule selbst ist die eigentliche Vorschule.
606. Was einmal gut gedacht und gesagt ist, soll man beruhen lassen und nichts daran ändern.
608. Du lieber Gott! was so ein Mann
Nicht alles, alles denken kann!
Beschämt nur steh' ich vor ihm da
Und sag' zu allen Sachen ja.
Bin doch ein arm unwissend Kind,
Begreife nicht, was er an mir find't.
Wissenschaft (Gott, Mann, Nicht, Sachen, Kind)
609. Man erkennt niemand an als den, der uns nutzt. Wir erkennen den Fürsten an, weil wir unter seiner Firma den Besitz gesichert sehen. Wir gewärtigen uns von ihm Schutz gegen äußere und innere widerwärtige Verhältnisse.
Fürsten (Fürsten, Firma, Schutz, Verhältnisse)
612. Was an euch ist, Ruhe zu erhalten, Leute, das tut.
Ruhe (Ruhe, Leute)
615. Wo so ein Köpfchen keinen Ausgang sieht, stellt er sich gleich das Ende vor.
Ausgang (Ausgang, Ende)
616. Nachdenken und Handeln verglich einer mit Rahel und Lea: Die eine war anmutiger, die andere fruchtbarer.
Nachdenken (Nachdenken, Handeln)
618. Der ist nicht wert des Weins, der ihn wie Wasser trinkt.
Weins (Weins)
619. Der Tor bläst ein - der Weise spricht.
Weise (Weise)
620. Man tanzt, man schwatzt, man kocht, man trinkt, man liebt;
Nun sage mir, wo es was Bessers gibt?
Nacht (Nacht, Trinken, Essen, Reden, Liebe, Tanzen, Kochen, Vergnügen)
621. Niemand würde viel in Gesellschaften sprechen, wenn er sich bewußt wäre, wie oft er die andern mißversteht.
622. Im hohen Alter, wo uns die Jahre nach und nach wieder entziehen, was sie uns früher so freundlich und reichlich gebracht haben, halte ich für die erste Pflicht gegen uns selbst und gegen die Welt, genau zu bemerken und zu schätzen, was uns noch übrig bleibt.
Alter (Alter, Jahre, Welt)
623. Wenn du nicht irrst, kommst du nicht zu Verstand.
Irrtum (Verstand)
624. Da mir alle Tugenden fehlen, werde ich mich auf die Talente legen. Aus dem Kopf kann was werden.
Talente (Talente)
626. Eigentlich ist es nur des Menschen, gerecht zu sein und Gerechtigkeit zu üben; denn die Götter lassen alle gewähren: Ihre Sonne scheint über Gerechte und Ungerechte.
Eigentlich (Eigentlich, Sonne)
628. Sie wissen, wenn man sich zur Abreise anschickt, so finden sich am Ende mehr Schulden und Reste abzutun, als man denken konnte.
Abreise (Abreise, Ende, Schulden, Reste)
629. Mir ist das All, ich bin mir selbst verloren,
der ich noch erst den Göttern Liebling war;
sie prüften mich, verliehen mir Pandoren,
so reich an Gütern, reicher an Gefahr;
sie drängten mich zum gabeseligen Munde,
sie trennen mich und richten mich zugrunde.
Göttern (Göttern, Liebling, Gütern, Gefahr)
630. Das Wirkliche ohne sittlichen Bezug nennen wir gemein.
Bezug (Bezug)
631. Auch ich halte das fürs Beste, was dem wackern Mann gefällt, wenn im stillen warmen Neste sich ein Heiliges lebend hält.
Mann (Mann)
632. Dem Klugen, Weitumsichtigen zeigt fürwahr sich oft Unmögliches noch als möglich.
633. Die Demokratie rennt nicht, aber sie kommt sicherer zum Ziel.
Demokratie (Ziel)
634. Jeder hat etwas in seiner Natur, das, wenn er es öffentlich ausspräche, Mißfallen erregen müßte.
635. Alles Große und Gescheite existiert in der Minorität.
Minderheit (Große)
636. Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie, nicht zu trennen.
Krieg (Krieg, Handel)
637. Ein wirklich großes Talent ist nicht irrezuleiten und nicht zu verderben.
Talent (Talent)
638. Die Frage, ob einer seine eigene Biographie schreiben dürfe, ist höchst ungeschickt. Ich halte den, der es tut, für den höflichsten aller Menschen.
Frage (Frage)
641. Komm, sehn wir zu! Der Lebende soll hoffen.
642. Wir wollen alle Tage sparen, und brauchen alle Tage mehr.
Tage (Tage)
643. Denn wer den Schatz, das Schöne, heben will, bedarf der höchsten Kunst: Magie der Weisen.
Schatz (Schatz, Magie, Weisen)
644. Den lieb ich, der Unmögliches begehrt.
646. Schlaf ich, so schlaf ich mir bequem; arbeit ich, ja, ich weiß nicht wem.
Schlaf (Schlaf)
648. Es ist ganz einerlei, was für einen Begriff man mit dem Namen Gott verbindet,wenn man nur göttlich, das heißt gut handelt!
Gott (Gott)
649. Die Welle beugt sich jedem Winde gern.
650. Man wird sich dessen, was man hat oder nicht hat, ist oder nicht ist, erst am Gegenteile von diesem bewußt oder inne.
Gegenteile (Gegenteile)
651. Das Land, das die Fremden nicht beschützt, ist zum Untergang verurteilt.
Land (Land, Untergang)
652. Wer von seinem Verstand zum Schaden anderer Gebrauch macht oder diese auch nur dadurch einschränkt, ist insofern unmoralisch.
Mensch (Verstand, Schaden)
653. Mit Narren sich beladen, das kommt zuletzt dem Teufel selbst zu Schaden.
Schaden (Schaden)
654. Alles ist aus dem Wasser entsprungen! Alles wird durch das Wasser erhalten!
656. Laß das Vergangene vergangen sein!
657. Sie glauben miteinander zu streiten, und fühlen das Unrecht von beiden Seiten.
Unrecht (Unrecht, Seiten)
658. Hat so ein Hungermann Humor?
659. Amor, das Kind, hält sich noch hartnäckig fest am Kleide der Hoffnung, eben als sie schon starken Schrittes sich zu entfernen den Anlauf nimmt.
Kind (Kind, Hoffnung)
661. Nur der verdient die Gunst der Frauen, der kräftigst sie zu schützen weiß.
Gunst (Gunst, Frauen)
662. Die Frau ist grimmig, wenn sie greift, ist ohne Schonung, wenn sie raubt.
Schonung (Schonung)
663. Man ist sehr übel dran, daß man den Ärzten nicht recht vertraut und doch ohne sie sich gar nicht zu helfen weiß.
664. Armer Mensch, an dem der Kopf alles ist!
Mensch (Mensch)
665. Wer ist ein unbrauchbarer Mann?
Der nicht befehlen und auch nicht gehorchen kann.
Manager (Mann)
666. Genießen heißt fröhlich sein - mit sich selbst und anderen.
667. Des Menschen Seele gleicht dem Wasser; vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es, und wieder nieder zur Erde muß es, ewig wechselnd.
Seele (Seele, Himmel, Erde)
669. Der liebt nicht, der die Fehler des Geliebten nicht für Tugenden hält.
670. Akademie ist Akademie, Bohlheim, Berlin oder Paris, wo die satten Herren sitzen, die Zähne stochern und nicht begreifen, warum kein Koch was bereiten kann, das ihnen behage.
Berlin (Berlin, Paris, Herren, Zähne)
672. Der Achse wird mancher Stoß versetzt,
Sie rührt sich nicht - und bricht zuletzt.
Achse (Achse, Stoß)
674. Die Menge kann tüchtige Menschen nicht entbehren, und die Tüchtigen sind ihnen jederzeit zur Last.
Last (Last)
675. Was ist das Schwerste von allem? Was dir am leichtesten scheint: Mit den Augen sehen, was vor dir liegt.
676. Es gibt keinen größern Trost für die Mittelmäßigkeit, als daß das Genie nicht unsterblich sei.
Trost (Trost, Genie)
677. Die Liebe ist eine so starke Würze, daß die schalsten und ekelsten Brühen davon schmackhaft werden.
Liebe (Liebe, Brühen)
680. Bin männlichen Geschlechts, der Geiz!
Geiz (Geiz)
681. Auch das Leben verlangt ruhige Blätter im Kranz.
Leben (Leben)
682. Die Weiber, sagt man, sind eitel von Haus aus. Ich kann nur sagen, es kleidet sie.
Weiber (Weiber, Haus)
683. Wenn die Frauenzimmer immer wüßten, was sie könnten, wenn sie wollten.
684. Glaube nur, ein Volk wird nicht alt, nicht klug, ein Volk bleibt immer kindisch.
Volk (Volk)
685. Können ist eine große Sache,
Damit das Wollen etwas mache. (Ich denke, wir haben unser Können bewiesen. Jetzt heißt es, das auch zu wollen, was wir können. Ich bitte dafür um Ihre Zustimmung!)
Können (Können, Damit, Wollen, Zustimmung)
689. Das Närrischste ist, daß jeder glaubt, überliefern zu müssen, was man gewußt zu haben glaubt.
690. Unglück ist auch gut. Ich habe viel in der Krankheit gelernt, das ich nirgends in meinem Leben hätte lernen können.
Leben (Leben)
691. Nach der Arbeit wüßt ich nichts Angenehmers, als mich des Vergangenen zu erinnern.
Nach (Nach, Arbeit)
692. Der rohe Mensch ist zufrieden, wenn er nur etwas vorgehen sieht; der gebildete will empfinden, und Nachdenken ist nur dem ganz ausgebildeten angenehm.
Mensch (Mensch, Nachdenken)
693. Denn wir können die Kinder nach unserem Sinne nicht formen:
So wie Gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben,
Sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren.
Erziehung (Kinder, Gott)
694. Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!
Wind (Wind)
695. Betrogne Mannsen! Von Adam her verführte Hansen.
Adam (Adam)
696. Nur rastlos betätigt sich der Mann.
Mann (Mann)
697. Müßt Euer Glück nicht auf die Jüngsten setzen, die Angejahrten wissen Euch zu schätzen.
Glück (Glück, Euch)
700. Ein Mann, der Tränen streng entwöhnt,
mag sich ein Held erscheinen;
doch wenn's im Innern sehnt und dröhnt,
geb ihm ein Gott zu weinen.
Trauer (Mann, Tränen, Held, Innern, Gott)
703. Wenn die Ideen fehlen, sind Worte leicht zur Hand.
Ideen (Ideen, Worte)
705. Es glaubt der Mensch sein Leben zu leiten, sich selbst zu führen, und sein Innerstes wird unwiderstehlich nach seinem Schicksale gezogen.
Mensch (Mensch, Leben, Schicksale)
706. Ich bin ihr nah, und wär' ich noch so fern!
707. Trüget doch öfter der Schein! Ich mag dem Äußern nicht trauen.
Schein (Schein)
708. Man kann schon einen nicht, geschweige denn viele unter einen Hut bringen, denn jeder setzt sich anders zurecht!
709. Man tadelt den, der seine Taten wägt.
Taten (Taten)
710. Ein unnütz Leben ist ein früher Tod.
Leben (Leben)
711. Dem König sollte nichts Geheimnis sein.
König (König)
714. Drei Dinge sind an einem Gebäude zu beachten: daß es am rechten Fleck stehe, daß es wohlgegründet, daß es vollkommen ausgeführt sei.
Haus (Drei, Gebäude, Fleck)
717. Man spricht vergebens viel um zu versagen,
der andre hört von allem nur das Nein.
719. Oft wird der Mächtige zum Schein gefragt.
Schein (Schein)
720. Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.
Vätern (Vätern)
721. Man macht sich immer eine Illusion über die Menschen, besonders über seine Zeit.
Illusion (Illusion, Zeit)
722. Die Knochen behandle ich als einen Text, woran sich alles Leben und alles Menschliche anhängen läßt.
Knochen (Knochen, Text, Leben)
723. Alles Gescheite ist schon gedacht worden; man muß nur versuchen, es noch einmal zu denken.
725. Die Technik im Bündnis mit dem Abgeschmackten ist die fürchterlichste Feindin der Kunst.
Bündnis (Bündnis, Feindin)
727. Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen,
Und wenn mich auch der ganze Kreis verhöhnt.
Redner (Worte, Kreis)
728. Das Wahre fördert; aus dem Irrtum entwickelt sich nichts, er verwickelt uns nur.
Wahre (Wahre, Irrtum)
730. Der Tag gehört dem Irrtum und dem Fehler, die Zeitreihe dem Erfolg und dem Gelingen.
Irrtum (Irrtum, Erfolg)
731. Die Kirche schwächt alles, was sie anrührt.
732. Der echte Schüler lernt aus dem Bekannten das Unbekannte entwickeln und nähert sich dem Meister.
Meister (Meister)
734. Das höchste Glück ist das, welches unsere Mängel verbessert und unsere Fehler auslöscht.
Glück (Glück, Mängel)
735. Laß mein Aug den Abschied sagen,
den mein Mund nicht nehmen kann!
Schwer, wie schwer ist er zu tragen,
und ich bin doch sonst ein Mann.
Abschied (Abschied, Mund, Mann)
736. Kann man einem Unglücklichen verdenken, daß er sich nicht freuen kann?
Kann (Kann)
737. Die Vorsicht ist einfach, die Hinterdreinsicht vielfach.
Vorsicht (Vorsicht)
739. Lobt man mich, weil ich was Dummes gemacht,
dann mir das Herz im Leibe lacht;
schilt man mich, weil ich was Gutes getan,
so nehm ich's ganz gemächlich an.
Schlägt mich ein Mächtiger, daß es schmerzt,
so tu ich, als hätt er nur gescherzt,
doch ist es einer von meinesgleichen,
den weiß ich wacker durchzustreichen.
Hebt mich das Glück, so bin ich froh
und sing in dulci Jubilo;
senkt sich das Rad und quetscht mich nieder,
so denkt ich: Nun, es hebt sich wieder!
Herz (Herz, Leibe, Glück)
742. Das schädlichste Vorurteil ist, daß irgend eine Art Naturuntersuchung mit dem Bann belegt werden könne.
Bann (Bann)
743. Die Wahrheit ist eine Flamme, und zwar eine gewaltige; deshalb suchen wir nur so blinzelnd daran vorbeizukommen, aus Furcht sogar, uns zu verbrennen.
Wahrheit (Wahrheit, Flamme, Furcht)
746. Des Lebens Mühe lehrt uns allein des Lebens Güter schätzen.
Mühe (Mühe, Güter)
747. Der Humor ist eins der Elemente des Genies, aber sobald er vorwaltet, nur ein Surrogat desselben.
748. Selig, wer sich vor der Welt ohne Haß verschließt.
Welt (Welt)
749. Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.
Brust (Brust)
750. Du trägst sehr leicht, wenn du nichts hast; aber Reichtum ist eine leichtere Last.
Reichtum (Reichtum, Last)
751. Im Ästhetischen ist es leichter, sich Beifall und Namen zu erwerben: denn man braucht nur zu gefallen, und was gefällt nicht eine Weile?
Beifall (Beifall, Weile)
752. Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt.
Durch (Durch, Wahrheit)
753. Das sogenannte Aus-sich-Schöpfen macht gewöhnlich falsche Originale und Manieristen.
Originale (Originale)
754. O trüg ich doch ein männlich Herz in mir, das, wenn es einen kühnen Vorsatz hegt, vor jeder andern Stimme sich verschließt!
Herz (Herz, Vorsatz, Stimme)
756. Glückselig der, dessen Welt innerhalb des Hauses ist.
Welt (Welt, Hauses)
757. Was wir in uns nähren, das wächst; das ist ein ewiges Naturgesetz.
759. Wenn ich von mir rechne, der Umgang mit Kindern macht mich froh und jung.
Umgang (Umgang, Kindern)
761. Die Sorge geziemt dem Alter, damit die Jugend eine Zeitlang sorglos sein könne.
Sorge (Sorge, Alter, Jugend)
763. Es gibt nichts Gemeines, was, fratzenhaft ausgedrückt, nicht humoristisch aussähe.
765. Wenn der Ritter seine Schöne nicht für die schönste und einzige hielte, würde er Drachen und Ungeheuer um ihretwillen bekämpfen?
Ritter (Ritter, Ungeheuer)
767. So ein verliebter Tor verpufft euch Sonne, Mond und alle Sterne zum Zeitvertreib dem Liebchen in der Luft.
Sonne (Sonne, Zeitvertreib, Luft)
768. Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!
Ferne (Ferne)
769. Wenn dir's in Kopf und Herzen schwirrt,
Was willst du Beßres haben!
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
Der lasse sich begraben.
Liebe (Liebe, Irrtum, Hochzeit, Gefühl, Fehler)
770. Nicht jede Absicht ist offenbar, und manches Mannes Absicht ist zu mißdeuten.
Nicht (Nicht, Absicht)
771. Verschone nicht den Kranken, lieber Arzt!
Reich ihm das Mittel, denke nicht daran,
ob's bitter sein.
Arzt (Arzt, Mittel)
772. Sollen dich die Dohlen nicht umschrein, mußt nicht Kopf auf dem Kirchturm sein.
Kirchturm (Kirchturm)
773. Welch Glück sondersgleichen, ein Mannsbild zu sein!
Glück (Glück)
774. Der Irrtum ist recht gut, so lange wir jung sind; man muß ihn nur nicht mit in's Alter schleppen.
Alter (Irrtum, Alter)
776. Die Summa Summarum des Alters ist eigentlich niemals erquicklich.
Alters (Alters)
777. Von der Gefahr, der ungeheuren, errettet nur gesamte Kraft.
Gefahr (Gefahr, Kraft)
779. Wenn wir uns dem Altertum gegenüberstellen und es ernstlich in der Absicht anschauen, uns daran zu bilden, so gewinnen wir die Empfindung, als ob wir erst eigentlich zu Menschen würden.
Altertum (Altertum, Absicht, Empfindung)
780. Beglückt, wer Treue rein im Busen trägt.
Treue (Treue)
781. Tu nur das Rechte in Deinen Sachen, das andere wird sich von selber machen.
Sachen (Sachen)
783. Das Wahre kann bloß durch seine Geschichte erhoben und erhalten, das Falsche bloß durch seine Geschichte erniedrigt und zerstreut werden.
Wahre (Wahre, Geschichte)
784. Rückkehr, die frohe, reicher Ernte gleichet sie, wo scheidend herzlich stille Tränen wir gesät.
Ernte (Ernte, Tränen)
785. Macht man nicht gern eine entfernte Spazierfahrt, um einen Kaffee zu trinken, einen Fisch zu genießen, der uns zu Hause nicht so gut geschmeckt hätte? Wir verlangen Abwechslung und fremde Gegenstände.
Spazierfahrt (Spazierfahrt, Kaffee, Fisch, Hause, Gegenstände)
787. Ein schäbiges Kamel trägt immer noch die Lasten vieler Esel.
Lasten (Lasten)
788. Das den meisten Menschen Abstruse mit einer gewissen behaglichen Freiheit vorzutragen, wirkt immer vorteilhaft.
Freiheit (Freiheit)
789. Der Teufel muß doch etwas sein; wie gäbs denn sonst auch Teufel?
790. Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein.
Mensch (Mensch)
792. Der Aberglaube ist ein Erbteil energischer, großtätiger, fortschreitender Naturen; der Unglaube das Eigentum schwacher, klein gesinnter, zurückschreitender, auf sich selbst beschränkter Menschen.
Aberglaube (Aberglaube, Erbteil, Eigentum)
793. Es ist nicht gut, daß der Mensch alleine sei, und besonders nicht, daß er alleine arbeite; vielmehr bedarf er der Teilnahme und Anregung, wenn etwas gelingen soll.
Mensch (Mensch, Teilnahme, Anregung)
794. Es ist unmöglich, daß ein alter Freund, der, lang entfernt, ein fremdes Leben führte, im Augenblick, da er uns wiedersieht, sich wieder gleich wie ehmals finden soll.
Leben (Leben)
795. Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt.
Aberglaube (Aberglaube, Wesen, Ecken, Winkel)
797. Süßer Schlaf, du kommst wie ein reines Glück, ungebeten, unerfleht am willigsten.
Schlaf (Schlaf, Glück)
800. Die Menschen glauben, daß man sich mit ihnen abgeben müsse, da man sich mit sich selbst nicht abgibt.
804. Nichts Abgeschmackters find' ich auf der Welt, als einen Teufel, der verzweifelt.
Nichts (Nichts, Welt)
805. Sei nicht ungeduldig, wenn man deine Argumente nicht gelten läßt.
Argumente (Argumente)
806. Gar freundliche Gesellschaft leistet uns ein ferner Freund, wenn wir ihn glücklich wissen.
Gesellschaft (Gesellschaft)
807. Zwar sind wir auch von Herzen unanständig,
Doch das Antike find ich zu lebendig.
Zwar (Zwar)
812. Jeder Mensch findet sich von den frühesten Momenten seines Lebens an, erst unbewußt, dann halb, endlich ganz bewußt, immerfort bedingt.
Mensch (Mensch, Momenten)
813. Man tut viel, ohne es zu empfinden, weil man immer tut, was man nicht will.
814. Was im Leben uns verdrießt, man im Bilde gern genießt.
Leben (Leben)
815. Die Menschen sind nicht nur zusammen, wenn sie beisammen sind, auch der Entfernte, der Abgeschiedene lebt in uns.
816. Sie scheinen mir aus einem edlen Haus: Sie sehen stolz und unzufrieden aus.
Haus (Haus)
817. O weh der Lüge! Sie befreiet nicht
Wie jedes andre wahrgesprochene Wort,
Die Brust.
Lüge (Lüge, Wort, Brust)
821. Treues Wirken, reines Lieben ist das Beste stets geblieben.
822. Und daß sich gegen die Witterung abhärten eigentlich sei, seinen Körper allen mannigfaltigen Veränderungen mitfühlend machen.
Witterung (Witterung, Veränderungen)
824. Von Zeit zu Zeit hör ich den Alten gern und hüte mich, mit ihm zu brechen
Zeit (Zeit, Alten)
825. Es ist eine eigene Sache, schon durch die Geburt auf einen erhabenen Platz in der menschlichen Gesellschaft gesetzt zu sein.
Geburt (Geburt, Gesellschaft)
826. Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens; deswegen schadet's dem Dichter nicht, abergläubisch zu sein.
Aberglaube (Aberglaube, Poesie)
829. Was hast du uns absurd genannt!
Absurd allein ist der Pedant.
831. Der Mensch ist nicht geboren, frei zu sein,
und für den Edlen ist kein schöner Glück,
als einem Fürsten, den er ehrt, zu dienen.
Mensch (Mensch, Glück, Fürsten)
833. Nun wurden wir abermals gewahr, daß man, anstatt sich der Weichlichkeit und phantastischen Vergnügungen hinzugeben, wohl eher Ursache habe, sich abzuhärten, um die unvermeidlichen Übel entweder zu ertragen oder ihnen entgegen zu wirken.
Vergnügungen (Vergnügungen, Ursache)
835. Leider läßt sich eine wahrhafte Dankbarkeit mit Worten nicht ausdrücken.
Dank (Worten)
836. Mann mit zugeknöpften Taschen,
dir tut keiner was zulieb'
Hand wird nur von Hand gewaschen:
wenn du nehmen willst, so gib!
Mann (Mann, Taschen)
838. Mit vielem läßt sich schmausen, mit wenig läßt sich hausen.
839. Mir, der ich selten selbst geschrieben, was ich zum Druck beförderte und, weil ich diktierte, mich dazu verschiedener Hände bedienen mußte, war die konsequente Rechtschreibung immer ziemlich gleichgültig. Wie dieses oder jenes Wort geschrieben wird, darauf kommt es doch eigentlich nicht an, sondern darauf, daß die Leser verstehen, was man damit sagen wollte.
Gleichberechtigung (Druck, Rechtschreibung, Wort, Leser)
840. Sag mir Lott ein Wort. Es ist mir in deiner Liebe als wenn ich nicht mehr in Zelten und Hütten wohnte, als wenn ich ein wohlgegründetes Haus zum Geschenk erhalten hätte, drinne zu leben und zu sterben, und alle meine Besitztümer drinne zu bewahren.
Liebe (Wort, Liebe, Hütten, Haus)
842. Kluge Leute merken die Absicht; der kluge Gesandte merkte den Willen gar bald und konnte sich weiter erklären.
Leute (Leute, Absicht, Willen)
843. Ein geliebtes Abgeschiedenes umarme ich weit ehe und inniger im Grabhügel als im Denkmal.
Denkmal (Denkmal)
844. So bildet sich der Adler durch die Luft zur Luft, durch die Berghöhe zur Berghöhe.
Luft (Luft)
845. In dem Abendmahle sollen die irdischen Lippen ein göttliches Wesen verkörpert empfangen und unter der Form irdischer Nahrung einer himmlischen teilhaftig werden.
Wesen (Wesen, Form, Nahrung)
846. Toren und gescheite Leute sind gleich unschädlich. Nur die Halbnarren und Halbweisen, das sind die Gefährlichsten.
Halbwissen (Toren, Leute)
847. Dann gabs ein Gerede, man weiß nicht wie:
Das nennt man eine Akademie.
Gerede (Gerede)
848. Man tut nicht wohl, sich allzu lange im Abstrakten aufzuhalten. Das Esoterische schadet nur, indem es exoterisch zu werden trachtet. Leben wird am besten durchs Lebendige belehrt.
Leben (Leben)
850. Die Zeit ist vorüber, wo man abenteuerlich in die weite Welt rannte; durch die Bemühungen wissenschaftlicher, weislich beschreibender, künstlerisch nachbildender Weltumreiser sind wir überall bekannt genug, daß wir ungefähr wissen, was zu erwarten sei.
Zeit (Zeit, Welt, Bemühungen)
854. Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein;
Langen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt,
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.
Liebe (Pein, Tode, Seele)
855. Weil unter des Himmels Angesicht
Man immer besser und freier spricht.
Reden (Angesicht)
856. Leid aus Freude tritt so leicht hervor.
857. Die Menschen werfen sich im Politischen wie auf dem Krankenlager von einer Seite auf die andere, weil sie glauben, dann besser zu liegen.
Seite (Seite)
858. Denn wir merken erst, wie traurig und unangenehm ein trüber Tag ist, wenn ein einziger, durchdringender Sonnenblick uns den aufmunternden Glanz einer heitern Stunde darstellt.
Glanz (Glanz)
859. Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte.
Kragen (Kragen)
860. Unsere Wünsche sind die Vorboten der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden.
Wünsche (Wünsche)
861. Wie lange hat man über die Antipoden hin und her gestritten!
862. Wenn es eine Freude ist, das Gute zu genießen, so ist es eine größere, das Bessere zu empfinden, und in der Kunst ist das Beste gut genug.
863. Tadeln darf man keinen Abgeschiedenen; nicht was sie gefehlt und gelitten, sondern was sie geleistet und getan, beschäftige die Hinterbliebenen.
Hinterbliebenen (Hinterbliebenen)
864. Ich sag' es dir: Ein Kerl der spekuliert, ist wie ein Tier auf dürrer Heide, von einem bösen Geist herumgeführt, und rings umher liegt schöne grüne Weide.
Kerl (Kerl, Tier, Geist, Weide)
865. Man muß nur ein Wesen recht von Grund aus lieben, da kommen einem die übrigen alle liebenswürdig vor.
Liebe (Wesen, Grund)
866. So fühlt man die Absicht, und man ist verstimmt.
Absicht (Absicht)
867. Du fingst mit einem heimlich an,
bald kommen ihrer mehre dran,
und wenn dich erst ein Dutzend hat,
so hat dich auch die ganze Stadt.
Dutzend (Dutzend, Stadt)
869. So wie etwas ausgesprochen ist, wird ihm auch schon widersprochen, wie der Ton gleich sein Echo hat.
Echo (Echo)
870. Hie und da jemand zu wissen, der mit uns übereinstimmt, mit dem wir auch stillschweigend fortleben, das macht uns dieses Erdenrund erst zu einem bewohnbaren Garten.
Garten (Garten)
871. Es ist nichts Tröstliches in älteren Jahren, als aufkeimende Talente zu sehen, die eine weite Lebensstrecke auszufüllen versprechen.
Alter (Talente)
872. Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
Und schreibe getrost: "Im Anfang war die Tat!"
Anfang (Geist, Anfang)
873. Das Christentum ist so tief in der menschlichen Natur und ihrer Bedürftigkeit begründet, daß auch in dieser Beziehung mit Recht zu sagen ist: Des Herrn Wort bleibet ewiglich.
Christentum (Christentum, Beziehung, Recht, Wort)
874. Lerne alt zu werden mit einem jungen Herzen.
875. Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?
Kind (Kind)
876. Man meint immer, man müsse alt werden, um gescheit zu sein; im Grunde aber hat man bei zunehmenden Jahren zu tun, sich so klug zu erhalten, als man gewesen ist.
Grunde (Grunde)
877. Wollte Gott, alle Menschen wären eitel, wären es aber mit Bewußtsein, mit Maß und rechten Sinne: so würden wir in der gebildeten Welt die glücklichsten Menschen sein.
Gott (Gott, Bewußtsein, Welt)
880. Das Alter hört sich gern,
und wenn es auch nicht viel zu sagen hat.
Alter (Alter)
881. Dieweil nun Affe, Mensch und Kind
zur Nachahmung geboren sind.
Affe (Affe, Mensch)
882. Wer überwindet, der gewinnt.
883. Man wird nicht müde, Biographien zu lesen so wenig als Reisebeschreibungen: denn man lebt mit Lebendigen. Die Geschichte, selbst die beste, den Geruch der Totengruft.
Biographien (Biographien, Geschichte, Geruch)
885. Die Schöne bleibt sich selber selig.
886. Wie man auch dem nie schreiben soll als dem, mit dem man gelebt hat, und nur im Maß, als man mit ihm gelebt hat.
887. Wer die Augen offenhält, dem wird im Leben manches glücken.
Doch noch besser geht es dem, der versteht, eins zuzudrücken.
Leben (Leben)
890. Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn.
Hause (Hause)
891. Es gibt keine Lage, die man nicht veredlen könnte durch Leisten und Dulden.
Lage (Lage)
892. Anlagen entwickeln sich zwar auch naturgemäß, müssen aber erst durch den Willen geübt und nach und nach gesteigert werden.
Anlagen (Anlagen, Willen)
893. Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum.
Grau (Grau, Baum)
894. Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
wer nie die kummervollen Nächte
auf seinem Bette weinend saß,
der kennt euch nicht,
ihr himmlischen Mächte.
Tränen (Tränen, Mächte)
895. O sähst du, voller Mondenschein, zum letztenmal auf meine Pein.
Pein (Pein)
896. Wir behalten von unseren Studien am Ende doch nur das, was wir praktisch anwenden.
Studien (Studien, Ende)
899. Vier sah ich kommen, drei nur gehn;
Den Sinn der Rede konnt ich nicht verstehn.
Reden (Vier, Sinn)
900. Doch beugt sogleich hartnäckigster Mann vor der allbezwingenden Schöne den Sinn.
Mann (Mann, Sinn)
901. Der Haß ist parteiisch, aber die Liebe ist es noch mehr.
Liebe (Liebe)
902. Glaube ist Liebe zum Unsichtbaren.
Liebe (Liebe)
903. Verplaudern ist schädlich, verschweigen ist gut; dann füllt sich das Bier in den Krügen.
Krügen (Krügen)
904. Felsen sollten nicht Felsen und Wüsten nicht Wüsten bleiben;
Drum stieg Amor herab, sieh, und es lebte die Welt.
Wüsten (Wüsten, Welt)
905. Ach, an der Erde Brust sind wir zum Leide da!
Erde (Erde, Brust)
906. Indessen hat die Klugheit so was Gebietendes, daß wir ihr oft auch wider unsre Neigung folgen.
Klugheit (Klugheit)
907. Der denkende Mensch hat die wunderliche Eigenschaft, daß er an die Stelle, wo das unaufgelöste Problem liegt, gern ein Phantasiebild hinfabelt.
Problem (Mensch, Stelle, Problem)
909. Nur allein der Mensch vermag das Unmögliche.
Mensch (Mensch)
910. Niemand weiß, was er tut, wenn er recht handelt: Aber des Unrechten sind wir uns immer bewußt.
913. Der Mensch ist ein dunkles Wesen, weiß nicht, woher es kommt, wohin er geht.
Mensch (Mensch, Wesen)
915. Manch einer klopft mit dem Hammer an der Wand herum und denkt, er treffe jedes Mal den Nagel auf den Kopf.
Hammer (Hammer, Wand, Nagel)
917. Wer mit dem Leben spielt,
kommt nie zurecht;
wer sich nicht selbst befiehlt,
bleibt immer ein Knecht.
Leben (Leben)
919. So tauml' ich von Begierde zu Genuß, und im Genuß verschmacht' ich nach Begierde.
Begierde (Begierde, Genuß)
921. Eben wenn man alt ist, muß man zeigen, daß man noch Lust hat zu leben.
Alter (Eben, Lust)
922. So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen, so sagten schon Sibyllen, so Propheten; und keine Zeit und keine Macht zerstückelt geprägte Form, die lebend sich entwickelt.
Propheten (Propheten, Zeit, Form)
923. Immer ist der Mann ein junger Mann, der einem jungen Weibe wohl gefällt.
Mann (Mann, Weibe)
924. Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen.
925. Man säe nur, man erntet mit der Zeit.
Zeit (Zeit)
926. Hier sind die großen Krambuden der Literatur, wo jeder einzelne sein Bedürfnis nach dem Alphabet abholen kann!
Buchhalter (Bedürfnis, Alphabet)
927. Du bist recht appetitlich oben anzuschauen, doch unten hin die Bestie macht mir Grauen.
Bestie (Bestie)
928. Irrtum, laß los der Augen Band! Und merkt euch, wie der Teufel spaße!
Irrtum (Irrtum, Band)
929. Wenn man sich um der Kinder willen keine Mühe gäbe, wie wärt ihr groß geworden?
Kinder (Kinder, Mühe)
930. Ein jeder, weil er spricht, glaubt, auch über die Sprache sprechen zu können.
Sprache (Sprache)
932. Vom Absoluten in theoretischem Sinne wag' ich nicht zu reden; behaupten aber darf ich, daß, wer es in der Erscheinung anerkannt und immer im Auge behalten hat, sehr großen Gewinn davon erfahren wird.
934. Ich glaub wohl, daß Ihre Liebe zu mir mit dem Absein wächst; denn wo ich weg bin, können Sie auch die Idee lieben, die Sie von mir haben; wenn ich da bin, wird sie oft gestört durch meine Tor- und Tollheit.
Liebe (Liebe, Idee, Tollheit)
937. Es wechselt Pein und Lust. Genieße, wenn du kannst, und leide, wenn du mußt.
Pein (Pein, Lust)
939. Wenn der Mensch alles leisten soll, was man von ihm fordert, so muß er sich für mehr halten, als er ist.
Leistung (Mensch)
941. Wer für die Welt etwas tun will, muß sich nicht mit ihr einlassen.
Welt (Welt)
942. Man lebt nur einmal in der Welt.
Welt (Welt)
944. Dem Menschengeschlecht ist bestimmt, Erleuchtetes zu sehen, nicht das Licht.
Licht (Licht)
946. Glücklich, daß das Schicksal, das uns quälet, uns doch nicht verändern mag!
947. Das Vergangene können wir nicht zurückrufen, über die Zukunft sind wir eher Meister, wenn wir klug und gut sind.
Zukunft (Zukunft, Meister)
949. Wir werden von dem geformt und gebildet, was wir lieben.
950. Das Besondere unterliegt ewig dem Allgemeinen; das Allgemeine hat ewig sich dem Besonderen zu fügen.
951. Dichten ist ein Übermut.
952. Ins Sichere willst du dich betten!
Ich liebe mir inneren Streit:
Denn, wenn wir die Zweifel nicht hätten,
wo wäre denn frohe Gewißheit?
Zweifel (Zweifel, Gewißheit)
953. Mich dünkt, ich hör ein ganzen Chor von hunderttausend Narren sprechen.
Chor (Chor)
954. Wir sind nicht klein, wenn Umstände uns zu schaffen machen, sondern nur, wenn sie uns überwältigen.
Umstände (Umstände)
958. Sei er kein schellenlauter Tor.
Es trägt Verstand und rechter Sinn
Mit wenig Kunst sich selber vor; Und wenn's euch Ernst ist, was zu sagen, Ist's nötig, Worten nachzujagen? Ja, eure Reden, die so blinkend sind, In denen ihr der Menschheit Schnitzel kräuselt, Sind unerquicklich wie der Nebelwind, der herbstlich durch die dürren Blätter säuselt!
Provisorium (Verstand, Sinn, Ernst, Worten, Menschheit, Schnitzel, Sind)
959. Man könnt' erzogene Kinder gebären, wenn die Eltern erzogen wären.
Kinder (Kinder, Eltern)
961. Wir alle sind so borniert, daß wir immer glauben, Recht zu haben.
Recht (Recht)
963. Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.
964. Wer ist denn imstande, in das Zimmer eines Rauchers zu treten, ohne Übelkeit zu empfinden?
Rauchers (Rauchers)
966. Liegt dir Gestern klar und offen, wirkst du heute kräftig frei.
Liegt (Liegt, Gestern)
967. Mir gäb es keine größre Pein,
wär ich im Paradies allein.
Pein (Pein)
969. Auch in der Tat ist Raum für Überlegung.
970. Was ihr den Geist der Zeiten heißt, - Das ist im
Grund der Herren eigner Geist, - In dem die Zeiten
sich bespiegeln.
Geist (Geist, Zeiten, Herren)
971. Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen,
Doch Ordnung lehrt Euch Zeit gewinnen.
Ordnung (Zeit, Ordnung, Euch)
974. Idee und Erfahrung werden in der Mitte nie zusammentreffen, zu vereinigen sind sie nur durch Kunst und Tat.
Idee (Idee, Erfahrung)
975. Wenn die Affen es dahin bringen könnten, Langeweile zu haben, so könnten sie Menschen werden.
Langeweile (Langeweile)
976. Es wird mein schönstes Glück zunichte! Daß diese Fülle der Gesichte der trockne Schleicher stören muß!
Glück (Glück)
977. In Deutschland haben sich vor der persönlichen Satire nur die Anmaßlichkeit und das Scheinverdienst zu fürchten.
Deutschland (Deutschland, Satire)
978. Das Vortreffliche wird noch seltener erkannt und geschätzt, als es gefunden wird.
980. Wahrheit ist Eine Fackel, aber eine ungeheure; deswegen suchen wir alle nur blinzelnd so daran vorbei zu kommen, in Furcht sogar, uns zu verbrennen.
Wahrheit (Wahrheit, Fackel, Furcht)
981. Wie aber den Frauen der Augenblick, wo ihre bisher unbestrittene Schönheit zweifelhaft werden will, höchst peinlich ist, so wird den Männern in gewissen Jahren, obgleich noch in völligem Vigor, das leiseste Gefühl einer unzulänglichen Kraft äußerst unangenehm.
Frauen (Frauen, Schönheit, Gefühl, Kraft)
982. Für mein Gefühl ist man noch immer in der Nähe seiner Lieben, solange die Ströme von uns zu ihnen laufen.
Gefühl (Gefühl, Nähe)
983. Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben.
Sobald (Sobald)
984. Die Natur ist das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Inhalt bietet.
Buch (Buch, Blättern, Inhalt)
985. Was ich in meinem Kämmerlein still und fein gesponnen, kommt - wie kann es anders sein? - endlich an die Sonnen.
Sonnen (Sonnen)
988. Man geht nie weiter, als wenn man nicht mehr weiß, wohin man geht.
989. Wenn man alle Gesetze studieren wollte, so hätte man gar keine Zeit mehr, sie zu übertreten.
Gesetze (Gesetze, Zeit)
990. Und so gewohnt, für andere zu leben, schien Mühe nur ihm Fröhlichkeit zu geben.
Mühe (Mühe, Fröhlichkeit)
991. Was wäre ich denn, wenn ich nicht immer mit klugen Leuten umgegangen wäre und von ihnen gelernt hätte?
Leuten (Leuten)
992. Wer in dem Gestern Heute sah,
dem geht das Heut nicht allzu nah,
und wer im Heute sieht das Morgen,
der wird sich rühren, wird sich sorgen.
Gestern (Gestern, Heute, Morgen)
994. Ist das Leben nicht kurz und öde genug? Sollen die sich nicht anfassen, deren Weg miteinander geht?
Leben (Leben)
996. Die ganze Welt ist voll armer Teufel, denen mehr oder weniger angst ist.
Welt (Welt)
998. Er ist ein heller Geist und also ungläubig.
Geist (Geist)
999. Niemand weiß, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht hat.
Kräfte (Kräfte)
1001. Wir wollen's machen wie alle Eroberer: Die Leute totschlagen, um es mit ihrer Nachkommenschaft gut zu meinen.
Leute (Leute, Nachkommenschaft)
1002. Was muß geschehn, mags gleich geschehn!
1003. Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß.
Freiheit (Freiheit, Leben)
1005. Wir mögen die Welt kennenlernen, wie wir wollen, sie wird immer eine Tag- und Nachtseite behalten.
Welt (Welt)
1007. Wir erschrecken über unsere eignen Sünden, wenn wir sie an andern erblicken!
Sünden (Sünden)
1009. Das Publikum beklagt sich lieber unaufhörlich, übel bedient worden zu sein, als daß es sich bemühte, besser bedient zu werden.
Publikum (Publikum)
1010. Nur eine papierne Scheidewand trennt uns öfters von unseren wichtigsten Zielen, wir dürfen sie keck einstoßen und es wäre getan.
Scheidewand (Scheidewand)
1011. Wenn ein Jahr nicht leer verlaufen soll, muß man beizeiten anfangen.
Neujahr (Jahr)
1012. Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.
Tage (Tage, Lied, Gedicht, Wort)
1013. Ist je ein Paar alleine, ist Amor niemals weit.
1014. Was sogar die Frauen an uns ungebildet zurücklassen, das bilden die Kinder in uns aus, wenn wir uns mit ihnen abgeben.
Frauen (Frauen, Kinder)
1015. Das Spontane ist das Unverdorbene.
1016. Denn gleich hauen die Männer über die Schnur, wenn man ihnen ein bißchen Luft läßt.
Männer (Männer, Schnur, Luft)
1018. Die Menschen verdrießt's, daß das Wahre so einfach ist, sie sollten bedenken, daß sie noch Mühe genug haben, es praktisch zu ihrem Nutzen anzuwenden.
Wahre (Wahre, Mühe, Nutzen)
1019. Ich werde zurückkehren, und in meinem Hause, in meinem Baumgarten, mitten unter den Meinigen sagen: Hier, oder nirgends ist Amerika!
Hause (Hause, Amerika)
1020. Ich hör es gern, wenn auch die Jugend plappert,
das Neue klingt, das Alte klappert.
Jugend (Jugend, Neue, Alte)
1021. Auf Menschen ist nicht leicht zu wirken, doch auf das willige Papier.
Papier (Papier)
1023. Der kann sich manchen Wunsch gewähren,
der kalt sich selbst und seinem Willen lebt;
allein, wer andre wohl zu leiten strebt,
muß fähig sein, viel zu entbehren.
Wunsch (Wunsch, Willen)
1024. Man kann niemand lieben, als den, dessen Gegenwart man sicher ist, wenn man seiner bedarf.
Gegenwart (Gegenwart)
1025. Es ist mit den Talenten wie mit der Tugend: Man muß sie um ihrer selbst willen lieben oder sie ganz aufgeben.
Talenten (Talenten, Tugend)
1026. Ein Blick ins Buch und zwei ins Leben,
das wird die rechte Form dem Geiste geben.
Blick (Blick, Buch, Leben, Form)
1028. Wer zu viel unternimmt, muß am Ende ein Schelm werden, mag er sonst so redlich sein, wie er will.
Ende (Ende, Schelm)
1029. Ihr habt das Recht, gesittet pfui zu sagen.
Kritik (Recht)
1030. Ei, bin ich denn darum achtzig Jahre alt geworden, daß ich immer dasselbe denken soll? Ich strebe vielmehr, täglich etwas anderes, Neues zu denken, um nicht langweilig zu werden. Man muß sich immerfort verändern, erneuen, verjüngen, um nicht zu verstocken.
Achtzig (Jahre, Neues)
1031. Dem Heiteren erscheint die Welt auch heiter.
Welt (Welt)
1032. Der Handelnde ist immer gewissenlos; es hat niemand mehr Gewissen als der Betrachtende.
Gewissen (Gewissen)
1033. Jenes Apfels leichtsinnig augenblicklicher Genuß hat aller Welt unendlich Weh verschuldet.
Apfels (Apfels, Genuß, Welt)
1036. Auch die Gerechtigkeit trägt eine Binde und schließt die Augen jedem Blendwerk zu.
1037. Daß das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so vorgekommen, und auch mit mir zieht dieses Gefühl immer herum.
Leben (Leben, Traum, Gefühl)
1038. Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, daß der Verfasser etwas gewußt hat.
Gewisse (Gewisse, Bücher, Verfasser)
1039. Wenn es keine Hexen gäbe, wer möchte Teufel sein?
Hexen (Hexen)
1040. Es gibt kein Genie ohne produktiv wirkende Kraft.
Genie (Genie, Kraft)
1042. Die Unglücklichen sind gefährlich!
1043. Wenn wir die Menschen nur so nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter; wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.
1045. Der Irrtum ist viel leichter zu erkennen, als die Wahrheit zu finden; jener liegt auf der Oberfläche, damit läßt sich wohl fertigwerden; diese ruht in der Tiefe, danach zu forschen ist nicht jedermanns Sache.
Irrtum (Irrtum, Wahrheit)
1046. Es ist eine Eigenschaft der menschlichen Seele, daß die sich dann am schnellsten erhebt, wenn sie am stärksten niedergedrückt wird.
Seele (Seele)
1047. Gegen Kritik kann man sich weder wehren noch schützen. Man muß ihr zum Trotz handeln, und das läßt sie sich nach und nach gefallen.
Kritik (Kritik, Trotz)
1048. Prächtig habt ihr gebaut. Du lieber Himmel! Wie treibt man,
nun er so königlich er wohnet, den Irrtum heraus?
Himmel (Himmel, Irrtum)
1050. Der Nachahmer verdoppelt nur das Nachgeahmte, ohne etwas hinzuzutun oder uns weiter zu bringen.
Nachahmer (Nachahmer)
1051. Und so lang du das nicht hast, dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.
Gast (Gast, Erde)
1052. Wenn man seine Kindheit bei sich hat, wird man nie älter.
Kindheit (Kindheit)
1053. Ein alter Mann ist stets ein König Lear!
Was Hand in Hand mitwirkte, stritt,
ist längst vorbeigegangen;
was mit und an dir liebte, litt,
hat sich woanders angehangen.
Die Jugend ist um ihretwillen hier;
es wäre törig zu verlangen:
Komm, ältele du mit mir.
Mann (Mann, König, Lear, Jugend)
1054. Der geringste Mensch kann komplett sein, wenn er sich innerhalb der Grenzen seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten bewegt.
Mensch (Mensch, Grenzen, Fertigkeiten)
1055. Der Verständige regiert nicht, aber der Verstand; nicht der Vernünftige, sondern die Vernunft.
Verstand (Verstand, Vernunft)
1056. Die Tat ist alles, nichts der Ruhm.
Tat (Ruhm)
1057. Eine läßliche Bosheit, eine selbstgefällige Schadenfreude sind ein Genuß für diejenigen, die sich weder mit sich selbst beschäftigen noch nach außen heilsam wirken können.
Bosheit (Bosheit, Schadenfreude, Genuß)
1058. Man spricht immer vom Studium der Alten; allein was will das anders sagen als: Richte dich auf die wirkliche Welt und suche sie auszusprechen; denn das taten die Alten auch, da sie lebten.
Studium (Studium, Alten, Welt)
1060. Es ist dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
Bäume (Bäume, Himmel)
1061. Anstatt meinen Worten zu widersprechen, sollten sie nach meinem Sinn handeln.
Kritiker (Worten, Sinn)
1062. Ich singe, wie der Vogel singt, - Der in den Zweigen
wohnet; - Das Lied, das aus der Kehle dringt,
- Ist Lohn, der reichlich lohnet.
Lied (Lied, Kehle, Lohn)
1063. Man schilt mit gleichem Recht auf Anarchie und Tyrannei; wo ist denn aber der wünschenswerte Mittelzustand? Der vernünftige Mensch sucht ihn in seinem Kreise hervorzubringen, und da gelingt es ihm kaum.
Recht (Recht, Anarchie, Tyrannei, Mensch, Kreise)
1065. Denn es muß sich in der Weltgeschichte immerfort wiederholen, daß ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigendes durch auftauchende Neuerungen gedrängt, geschoben, verrückt und, wo nicht vertilgt, doch in den engsten Raum eingepfercht werde.
Weltgeschichte (Weltgeschichte, Altes)
1066. Das mächtigste Hirngespinst ist die öffentliche Meinung: Niemand weiß genau, wer sie macht, niemand hat sie je persönlich kennengelernt, aber alle lassen sich von ihr tyrannisieren.
Hirngespinst (Hirngespinst, Meinung)
1067. Die Natur bekümmert sich nicht um irgendeinen Irrtum; sie selbst kann nicht anders als ewig recht handeln, unbekümmert, was daraus folgen möge.
Irrtum (Irrtum)
1068. Kein tolleres Versehen kann sein, gibst einem ein Fest und lädst ihn nicht ein.
Kein (Kein)
1069. Laß den Anfang mit dem Ende
sich in Eins zusammenziehn!
Anfang (Anfang)
1070. Denken ist interessanter als Wissen, aber nicht als Anschauen.
Denken (Denken, Wissen)
1071. Das Erlebte weiß jeder zu schätzen, am meisten der Denkende und Nachsinnende im Alter; er fühlt mit Zuversicht und Behaglichkeit, daß ihm das niemand rauben kann.
Alter (Alter, Zuversicht, Behaglichkeit)
1072. Freilich erfahren wir erst im Alter, was uns in der Jugend begegnete.
Alter (Alter, Jugend)
1073. Es ist eine sehr angenehme Empfindung, wenn sich eine neue Leidenschaft in uns zu regen anfängt, ehe die alte noch ganz verklungen ist.
Empfindung (Empfindung, Leidenschaft)
1075. Es wäre nicht der Mühe wert, siebzig Jahr alt zu werden, wenn alle Weisheit der Welt Torheit wäre vor Gott.
Mühe (Mühe, Jahr, Welt, Torheit, Gott)
1076. Schon verloschen sind die Stunden, Hingeschwunden Schmerz und Glück; Fühl es vor: du wirst gesunden! Traue neuem Tagesblick.
Stunden (Stunden, Schmerz, Glück)
1077. Wenn man eine Sache mit Klarheit zu behandeln vermag, ist man auch zu vielen anderen Dingen tauglich.
Klarheit (Klarheit, Dingen)
1078. Der ist nicht fremd, der teilzunehmen weiß.
1081. Schreibe nur, wie du reden würdest, und so wirst du einen guten Brief schreiben.
Brief (Brief)
1082. Die Jugend will lieber angeregt als unterrichtet sein.
Jugend (Jugend)
1083. Amerika, du hast es besser
als unser Kontinent, der alte.
Hast keine verfallenen Schlösser
und keine Basalte.
Dich stört nicht im Innern,
Zu lebendiger Zeit,
Unnützes Erinnern
Und vergeblicher Streit.
Amerika (Amerika, Kontinent, Schlösser, Dich, Innern, Zeit, Erinnern)
1085. Steine sind stumme Lehrer, sie machen den Beobachter stumm, und das Beste, was man von ihnen lernt, ist nicht mitzuteilen.
Steine (Steine, Lehrer, Beobachter)
1087. Ja, derjenige, der sich in höherem Sinne ausbildet, kann immer voraussetzen, daß er die Majorität gegen sich habe.
Majorität (Majorität)
1088. Hab ich die Kraft, dich anzuziehen, besessen,
So hatt' ich dich zu halten keine Kraft.
Kraft (Kraft)
1089. Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden, doch ihre Weine trinkt er gern.
Mann (Mann)
1090. Keine Probe ist gefährlich, zu der man Mut hat.
Keine (Keine)
1092. Nichts leichter, als dem Dürftigen schmeicheln; wer mag aber ohne Vorteil heucheln?
Nichts (Nichts, Vorteil)
1093. Die Eigenliebe läßt uns sowohl unsre Tugenden als unsre Fehler viel bedeutender, als sie sind, erscheinen.
Eigenliebe (Eigenliebe)
1094. Erfüllte Pflicht empfindet sich immer noch als Schuld, weil man sie nie ganz getan hat.
Schuld (Schuld)
1095. Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren.
Intellektueller (Glück)
1097. Was einem angehört, wird man nicht los, und wenn man es wegwürfe.
1098. Liebe ist etwas Ideelles, Heirat etwas Reelles, und nie verwechselt man ungestraft da Ideele mit dem Reellen.
Liebe (Liebe, Heirat)
1102. Ehrfurcht zu hegen ist schwer, aber bequem. Ungern entschließt sich der Mensch zur Ehrfurcht.
Ehrfurcht (Ehrfurcht, Mensch)
1103. Lachen, Weinen, Lust und Schmerz sind Geschwisterkinder.
Lust (Lust, Schmerz)
1104. Mich ergreift, ich weiß nicht wie, himmlisches Behagen.
1108. Was sich der Mensch kümmerlich durch Stufen hinaufarbeiten muß!
Mensch (Mensch)
1112. Je älter man wird, desto mehr verallgemeint sich alles, und wenn die Welt nicht ganz und gar verschwinden soll, so muß man sich zu denen halten, welche sie aufzubauen imstande sind.
Welt (Welt)
1113. Daß der Mensch ins Unvermeidliche sich füge, darauf dringen alle Religionen. Jede sucht auf ihre Weise, mit dieser Aufgabe fertig zu werden.
Mensch (Mensch, Weise, Aufgabe)
1114. Er ist wie ein Faß, wo der Böttcher vergessen hat, die Reifen festzuschlagen, da läufts denn auf allen Seiten heraus.
Reifen (Reifen, Seiten)
1115. Wir mögen die Welt kennen lernen, wie wir wollen, sie wird immer eine Tag- und eine Nachtseite behalten.
Welt (Welt)
1116. Was ich weiß, kann jeder wissen. Mein Herz habe ich allein.
Mein (Mein, Herz)
1118. Was sucht ihr mächtig und gelind, Ihr Himmelstöne mich am Staube, Klingt dort herum wo warme Menschen sind, Die Botschaft hör ich wohl,allein mir fehlt der Glaube. (aus Faust)
Faust (Faust)
1119. Wer Proportionen (das Meßbare) von der Antike nehmen muß, sollte uns nicht gehässig sein, weil wir das Unmeßbare von der Antike nehmen wollen.
1120. Jeder sei auf seine Art Grieche! Aber er sei's.
Grieche (Grieche)
1121. Traue nicht dem Wasserboden! Halt auf deiner Höhe stand!
Halt (Halt, Höhe)
1122. Soll es reichlich zu dir fließen, reichlich andre laß genießen.
1123. Ein jeder kehre vor seiner Tür, und rein ist jedes Stadtquartier.
1125. Ich höre auf zu leben, aber ich habe gelebt.
1126. Es wandert niemand ungestraft unter Palmen.
Palmen (Palmen)
1127. So hoch die Nase reicht, da mags wohl gehn; was aber darüber ist, können sie nicht sehn.
Nase (Nase)
1129. Inwendig lernt kein Mensch sein Innerstes erkennen; denn er mißt nach eigenem Maß sich bald zu klein und leider oft zu groß. Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur das Leben lehret jedem, was er sei.
Mensch (Mensch, Leben)
1130. So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig, man muß sie für fertig erklären, wenn man nach Zeit und Umständen das möglichste getan hat.
Arbeit (Arbeit, Zeit)
1133. Wenn sie aus deinem Korbe naschen, behalte noch etwas in der Taschen.
Taschen (Taschen)
1135. Das Alter trennt uns nach und nach von empfänglichen Menschen, selten kehrt ein Klang und Ton, den man aussendet, lebhaft und ergötzlich zurück.
Alter (Alter, Klang)
1136. Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles.
Lehre (Lehre)
1137. Was jeder Tag will, sollst du fragen, was jeder Tag will, wird er sagen.
1138. Man schmeichelt sich ins Leben hinein, aber das Leben schmeichelt uns nicht.
Leben (Leben)
1139. Einen Tyrannen zu hassen vermögen auch knechtische Seelen. Nur wer die Tyrannei hasset, ist edel und groß.
Tyrannei (Tyrannei)
1142. Weiß Amor seinem schönen Spiele
doch immer zeitig nachzugehn.
Weiß (Weiß)
1144. Man denkt an das, was man verließ, was man gewohnt war, bleibt ein Paradies.
1146. Das Beste, was du wissen kannst, darfst du den Buben doch nicht sagen.
Vermögen (Buben)
1147. Nur das feurige Roß, das mutige, stürzt auf der Rennbahn; mit bedächtigem Paß schreitet der Esel daher.
Rennbahn (Rennbahn)
1149. Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.
1150. Allgemeine Begriffe und großer Dünkel sind immer auf dem Wege, entsetzliches Unheil anzurichten.
Begriffe (Begriffe, Wege, Unheil)
1151. Höher vermag sie niemand zu heben, als wenn er vergibt.
1152. Das beste Monument des Menschen ist der Mensch.
Mensch (Mensch)
1154. In der Jugend bald die Vorzüge des Alters gewahr zu werden, im Alter die Vorzüge der Jugend zu erhalten, beides ist nur ein Glück.
Jugend (Jugend, Vorzüge, Alters, Alter, Glück)
1157. Die Menschen fürchtet nur, wer sie nicht kennt, und wer sie meidet, wird sie bald verkennen.
1158. Ein leichter Sinn trägt alles!
Sinn (Sinn)
1159. Im Praktischen ist doch kein Mensch tolerant.
Mensch (Mensch)
1160. Verstand ist mechanischer, Witz ist chemischer, Genie ist organischer Geist.
Friedrich von Schlegel
1772 - 1829
dt. Philosoph und Dichter
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Zwei liebende Herzen, sie sind wie zwei Magnetuhren: was in der einen sich regt, muß auch die andere mitbewegen; denn es ist nur eins, was in beiden wirkt, eine Kraft, die sie durchgeht.
Verstand (Verstand, Witz, Genie, Geist, Friedrich, Philosoph, Kraft)
1161. Hier sind wir versammelt zu löblichem Tun, drum Brüderchen: Ergo bibamus.
Ergo (Ergo)
1162. Des Lebens Mühe
lehrt uns allein des Lebens Güter zu schätzen.
Güter (Güter)
1163. Alles Edle ist an sich stiller Natur uns scheint zu schlafen, bis es durch Widerspruch geweckt und herausgefordert wird.
Widerspruch (Widerspruch)
1164. Wer schweigt, hat wenig zu sorgen; der Mensch bleibt unter der Zunge verborgen.
Mensch (Mensch, Zunge)
1166. Begegnet uns jemand, der uns Dank schuldig ist, gleich fällt es uns ein. Wie oft können wie jemand begegnen, dem wir Dank schuldig sind, ohne daran zu denken.
Dank (Dank)
1168. Es gibt Bücher, durch die man alles erfährt und doch zuletzt von der Sache nichts begreift.
Buch (Bücher)
1169. Denn was dem Mann das Leben - Nur halb
erteilt, soll ganz die Nachwelt geben.
Mann (Mann, Leben, Nachwelt)
1170. Wer sich der Einsamkeit ergibt, ach! der ist bald allein: Ein jeder lebt, ein jeder liebt und läßt ihn seiner Pein!
Einsamkeit (Einsamkeit, Pein)
1171. Natur hat weder Kern noch Schale, alles ist sie mit einem Male, doch prüfe du nur allermeist, ob du Kern oder Schale seist!
Schale (Schale, Male)
1173. Sich alles gleichzumachen, ist ein großes Prinzip der Natur. Nur verschlingt die größre Kraft die andre.
Prinzip (Prinzip, Kraft)
1174. Armut selbst macht stolz, die unverdiente.
Armut (Armut)
1176. Chinesische, indische, ägyptische Altertümer sind immer nur Kuriositäten; es ist sehr wohl getan, sich und die Welt damit bekannt zu machen; zu sittlicher und ästhetischer Bildung aber werden sie uns wenig fruchten.
Welt (Welt, Bildung)
1177. Ein weiser Mann sollte das Wort Narr nicht so oft gebrauchen, besonders da ihm selbst der Hochmut so lästig ist.
Mann (Mann, Wort, Hochmut)
1178. Vieles geht in der Welt verloren, weil man es zu geschwind für verloren gibt.
Welt (Welt)
1181. Das Geheimnis hat sehr große Vorteile: denn wenn man den Menschen gleich und immer sagt, worauf alles ankommt, so denkt er, es sei nichts dahinter.
Vorteile (Vorteile)
1182. Soll dich das Alter nicht verneinen,
So mußt du's gut mit andern meinen;
Mußt viele fördern, manchem nützen,
Das wird dich vor Vernichtung schützen.
Alter (Alter, Vernichtung)
1183. Wenn du von außen ausgestattet bist, so wird sich alles zu dir drängen, ein Kerl, der nicht ein wenig eitel ist, der mag sich auf der Stelle hängen.
Kerl (Kerl, Stelle)
1184. Weiß ich, womit du dich beschäftigst, so weiß ich, was aus dir werden kann.
Weiß (Weiß)
1185. Wenn ein Wunder in der Welt geschieht, geschieht's durch liebevolle, reine Herzen.
Welt (Welt)
1186. Ich darf sagen, ich kam nie leer zurück, wenn ich unter Druck und Not Gott gesucht habe.
Druck (Druck, Gott)
1187. Nichts ist drinnen, nichts ist draußen, Denn was innen ist, ist außen.
Nichts (Nichts)
1189. Vernunft fängt wieder an zu sprechen und Hoffnung wieder an zu blühn, man sehnt sich nach des Lebens Bächen, ach, nach des Lebens Quelle hin.
Vernunft (Vernunft, Hoffnung, Bächen, Quelle)
1190. Keine Vorwürfe über Vergangenes, nun doch nicht zu Änderndes! Jeder Tag bestehe für sich!
Keine (Keine, Vorwürfe)
1191. Liegt dir gestern klar und offen, wirst du heute kräftig frei, kannst auch auf ein Morgen hoffen, das nicht minder glücklich sei.
Liegt (Liegt, Morgen)
1192. Das Bedeutsame will jedermann, nur soll es nicht unbequem sein.
1193. Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.
1194. Ich merke wohl: Es steckt der Irrtum an.
Irrtum (Irrtum)
1195. Ein neues Jahr hat seine Pflichten, ein neuer Morgen ruft zur frischen Tat. Stets wünsche ich ein fröhliches Verrichten und Mut und Kraft zur Arbeit früh und spat.
Jahr (Jahr, Pflichten, Morgen, Kraft, Arbeit)
1196. Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen, als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, wenn hinten weit, in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen.(aus Faust I)
Nichts (Nichts, Feiertagen, Gespräch, Krieg, Türkei, Völker, Faust)
1197. Was könnte nicht die Liebe des Alls, wenn es lieben kann, wie wir lieben.
Liebe (Liebe, Alls)
1199. Gar selten tun wir uns selbst genug; desto tröstender ist es, andern genug getan zu haben.
1202. The intelligent man finds almost everything ridiculous, the sensible man hardly anything.
1203. Gegner glauben uns zu widerlegen, wenn sie ihre Meinung wiederholen und auf die unsrige nicht achten.
Gegner (Gegner, Meinung)
1204. Der Mensch braucht nur wenige Erdschollen, um darauf zu genießen, weniger, um drunter zu ruhen.
Mensch (Mensch)
1206. Manchmal sieht unser Schicksal aus wie ein Fruchtbaum im Winter. Wer soll bei dem traurigen Ansehn desselben wohl denken, dass diese starren Äste, diese zackigen Zweige im nächsten Frühjahr wieder grünen, blühen, sodann Früchte tragen können?
Manchmal (Manchmal, Winter, Zweige, Frühjahr, Früchte)
1207. Irrend lernt man.
1208. Man glaubt immer, man müsse alt werden, um gescheit zu sein. Im Grunde aber hat man bei zunehmenden Jahren zu tun, sich so klug zu erhalten,_wie man gewesen ist ... Der Mensch kann in gewissen Dingen in seinem zwanzigsten Jahre so gut recht haben wie in s
Grunde (Grunde, Mensch, Dingen, Jahre)
1210. Die Sterne, die begehrt man nicht, man freut sich ihrer Pracht und mit Entzücken blickt man auf in jeder heitern Nacht.
Nacht (Nacht)
1211. Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.
Wunsch (Wunsch)
1213. Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche zu verehren.
Glück (Glück)
1215. In dieser Armut welche Fülle!
In diesem Kerker welche Seligkeit!
Armut (Armut)
1216. Du bist am Ende - was du bist. Setz' dir Perücken auf von Millionen Locken, setz' deinen Fuß auf ellenhohe Socken, du bleibst doch immer, was du bist.
Ende (Ende, Millionen, Socken)
1217. Es gibt viele Menschen, die sich einbilden, was sie erfahren, verstünden sie auch.
1218. Man frage nicht, ob man durchaus übereinstimme, sondern ob man in einem Sinne verfährt.
1221. Es bleibt einem jeden immer noch soviel Kraft, das auszuführen, wovon er überzeugt ist.
Kraft (Kraft)
1222. Einerlei, was für einen Begriff man mit Gott verbindet, wenn man nur göttlich, das heißt gut handelt!
Gott (Gott)
1223. Geht es doch unseren Vorsätzen wie unseren Wünschen: Sie sehen sich gar nicht mehr ähnlich, wenn sie ausgeführt, wenn sie erfüllt sind.
Vorsätzen (Vorsätzen, Wünschen)
1224. Der Haß ist ein aktives Mißvergnügen, der Neid ein passives, deshalb darf man sich nicht wundern, wenn der Neid so schnell in Haß übergeht.
1226. Heute geh ich. Komm ich wieder
singen wir ganz andre Lieder.
Wo so viel sich hoffen läßt,
ist der Abschied ja ein Fest.
Heute (Heute, Lieder, Abschied)
1227. Altes Fundament ehrt man, darf aber das Recht nicht aufgeben, irgendwo wieder einmal von vorn zu gründen.
Altes (Altes, Recht)
1229. Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das, was sie lächerlich finden.
Durch (Durch, Charakter)
1230. Durch Stolpern kommt man bisweilen weiter; man muß nur nicht fallen und liegenbleiben.
Durch (Durch)
1232. In deinem Lande sei einheimisch klug, im fremden bist du nicht gewandt genug.
Lande (Lande)
1234. Eigentlich lernen wir nur aus Büchern, die wir nicht beurteilen können. Der Autor eines Buches, das wir beurteilen können, müßte von uns lernen.
Eigentlich (Eigentlich, Büchern, Autor, Buches)
1235. Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen, und haben sich, eh man es denkt, gefunden.
1236. Und was man ist, das bleibt man andern schuldig.
1237. Der Undank ist immer eine Art Schwäche. Ich habe nie gesehen, daß tüchtige Menschen undankbar gewesen wären.
Undank (Undank, Schwäche)
1238. Im Ehestand muß man sich manchmal streiten, denn so erfährt man was voneinander.
1239. Der Witz setzt immer ein Publikum voraus. Darum kann man den Witz auch nicht bei sich behalten. Für sich allein ist man nicht witzig.
Witz (Witz, Publikum)
1242. Blumen sind die schönen Worte und Hieroglyphen der Natur, mit denen sie uns andeutet, wie lieb sie uns hat.
Blumen (Blumen, Worte)
1244. Know thyself? If I knew myself I'd run away.
Know (Know)
1246. Der rechtliche Mensch denkt immer, er sei vornehmer und mächtiger, als er ist.
Mensch (Mensch)
1249. Ein Name ist nichts Geringes.
Name (Name)
1250. Wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer Knecht.
1251. So ist's aber in der Welt: wer nur erst über einen Anstoß hinaus ist, kommt über tausend.
Welt (Welt, Anstoß)
1252. Die Anatomie war mir auch deshalb doppelt wert, weil sie mich den widerwärtigen Anblick ertragen lehrte, indem sie meine Wißbegierde befriedigte.
Anatomie (Anatomie, Wißbegierde)
1253. Wenn auch die menschlichen Anlagen im ganzen eine entschiedene Richtung haben, so wird es doch dem größten und erfahrensten Kenner schwer sein, sie mit Zuverlässigkeit voraus zu verkünden; doch kann man hinterdrein wohl bemerken, was auf ein Künftiges hingedeutet hat.
Anlagen (Anlagen, Kenner, Zuverlässigkeit)
1254. Ich bin alt genug, um Ruhe zu wünschen.
Ruhe (Ruhe)
1255. Uns rührt die Erzählung jeder guten Tat, uns rührt das Anschauen jedes harmonischen Gegenstandes, wir fühlen dabei, dass wir nicht ganz in der Fremde sind.
Erzählung (Erzählung, Gegenstandes)
1256. Wenn keine Narren auf der Welt wären, was wäre dann die Welt?
Karneval (Welt)
1258. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.
1259. Eines recht wissen und ausüben gibt höhere Bildung als Halbheit im Hundertfältigen!
Bildung (Bildung, Halbheit)
1260. Man gewinnt immer, wenn man erfährt, was andere von uns denken.
1262. Höchst bemerkenswert bleibt es immer, daß Menschen, deren Persönlichkeit fast ganz Idee ist, sich so äußerst vor dem Phantastischen scheuen.
Höchst (Höchst, Persönlichkeit, Idee)
1265. Verbinden heißt mehr als Trennen, Nachbilden mehr als Ansehen.
Trennen (Trennen)
1266. Die Zeit entschuldigt, wie sie tröstet.
Zeit (Zeit)
1267. Aus aller Ordnung entsteht zuletzt Pedanterie; um diese loszuwerden, zerstört man jene, und es geht eine Zeit hin, bis man gewahr wird, daß man wieder Ordnung machen müsse.
Ordnung (Ordnung, Pedanterie, Zeit)
1268. Bedenkt: Der Teufel, der ist alt;
So werdet alt, ihn zu verstehen.
1269. Über allen Gipfeln ist Ruh,
in allen Wipfeln spürtest du
kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
ruhest du auch.
Tod (Gipfeln, Hauch, Walde)
1270. In jedes gute Herz ist das Gefühl von der Natur gelegt, daß es für sich allein nicht glücklich sein kann, daß es sein Glück in dem Wohle anderer suchen muß.
Herz (Herz, Gefühl, Glück, Wohle)
1272. Doch den laßt nicht zu euch herein, der andern schadet, um etwas zu sein.
1273. Säen ist nicht so beschwerlich als ernten.
1274. Versäumt die Zeit nicht, die gemessen ist.
Zeit (Zeit)
1275. Denn wirkten Grobe nicht auch im Lande, wie kämen Feine für sich zustande?
Lande (Lande)
1276. Man wird nie betrogen, man betrügt sich selbst.
1278. Genug allein ist jeder ja zu Haus.
Haus (Haus)
1281. Ein vergangenes Übel ist ein Gutes.
1282. Glücklich allein ist die Seele, die liebt.
Seele (Seele)
1284. Wer nicht vorwärts geht, der kommt zurücke!
1286. Es hört doch jeder nur, was er versteht.